Knödelchen im Regen
Von
tastifix
Montag 24.10.2022, 12:56 – geändert Dienstag 26.11.2024, 05:23
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tastifix
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Mein Knödelchen liebte den Sommer, denn dann wars draußen oft wochenlang fast trocken und seine hochwohlgeborenen Pfoten liefen nicht Gefahr, etwa nass zu werden. Eurasier sind sich eben ihrer Abstammung bewusst und wegen solcher oder ähnlicher Vorkommnisse echte Mimosen.
Leider schrieb Knödelchen dann mir die Schuld an dem Schlamassel zu, obwohl … Erklärungen, wieso dem nicht so wäre, fruchteten nicht. Na ja, irgendwie hatte er sogar recht, denn ich hätte ja erahnen sollen, dass sich auf seinem Lieblingsspazierweg frech eine Minipfüftze von der Größe eines 1Centstückes breit gemacht hatte.
Eigentlich durfte ich ja stolz sein, dass er bei mir immerhin die dafür notwendige Intelligenz voraussetzte. Uneigentlich jedoch war dann ich gekränkt. Also liefen eine halbe Stunde lang zwei beleidigte Leberwürste durchs Haus. Meist war ich es, die meinen Hund wegen jenes schweren Fehlverhaltens untertänig um Verzeihung bat. Hatte ich viel Glück, drehte er im Schneckentempo den Teddykopf von der Wand weg wieder zu mir. Er hatte mir gnädig verziehen.
Doch einmal überspannte ich wohl den Bogen. Es war zwar ebenfalls an einem Sommertag, aber der geliebte goldgelbe Ball am Himmel nicht zu sehen. Offensichtlich hatte sich die Sonne einen Tag Urlaub ausbedungen. Pech für Knödelchen, noch mehr Pech für mich, die ich verzweifelt versuchte, meinen vierbeinigen Liebling trotz Prasselregens zu einem Spaziergang zu überreden.
„Knödel, wir gehen auch bestimmt schnell wieder zurück. Komm schon!“
Mein Hund guckte mich schief an. Der Blick sprach Bände:
„Frauchen, das meinste doch jetzt nicht im Ernst, oder??“
„Doch, Du musst doch mal aufs Klo. Wenn Du Dich beeilst, biste fix wieder drinnen!“
Prompt war Knödelchen beleidigt:
„Wuff, also: Noch entscheide ich, wann ich raus will! Keine Sorge, aus dem Alter, in dem ich hier daheim usw. ...“
Ich versuchte es mit einem letzten Trick:
„Du, vielleicht triffst Du ja Senta. Die magst Du doch so gern!“
Getroffen! Knödelchen kämpfte offensichtlich mit sich und gab tatsächlich nach.
„Hm, na gut.Wenn es denn unbedingt sein muss ...“
´Wahrlich tiefe Zuneigung!`, dachte ich.
Er erhob sich wirklich, ließ sich anleinen und trabte brav vor die Haustür aufs Podest. Tja, jenes hatte ein paar Tropfen abbekommen, war ein wenig feucht und Knödelchen wich trotzend einen Schritt zurück:
„Wenn Senta so doof ist, da durch zu marschieren, kann sie mich mal ...“
„So, jetzt gehorchst Du. Schluss mit dem Zirkus!!“
Geknickt ließ er sich Schritt für Schritt durch die Pfützenlandschaft schleifen. Von oben prasselte es obendrein und Hund ich und ähnelten sehr rasch klatschnassen Putzlappen.
Und dann trotzte Knödelchen, die schreckliche Tortur endgültig leid und genauso sauer, dass der Ausflug anscheinend kein Ende nehmen wollte. Er übersah total, wo dann er sich ausgerechnet auf den Po plumpsen ließ und landete in einer etwas tieferen Pfütze. Sowieso schon pitschnass, tropfte er nun wie ein nicht ausgewrungener Wischlappen und bot ein Bild des Jammers. Mittlerweile total durcheinander, blieb er zu allem Überfluss auch noch stur sitzen. Ich hatte nicht sein dichtes Fell, das die Haut ein wenig vor allzu großer Kälte schützte und klapperte inzwischen eifrig mit den Zähnen. Doch stand ich seelisch bei weitem nicht so sehr neben mir wie er und kam auf die rettende Idee:
„Knödelchen, los, ab nachhause! Passiert ja sowieso nichts!“
Mein Liebling stellte die süßen ebenfalls tropfenden Teddyohren plötzlich nicht mehr auf Durchzug, hopste sichtlich erleichtert hoch, der Dreck spritzte noch höher.
„Na, jetzt lohnt sich die Dusche wenigstens!“
In einer solchen Lage hilft Galgenhumor manchmal beträchtlich.
Daheim durchstand mein deshalb erneut beleidigter Hund gezwungenermaßen die intensive Trockenrubbelmassage per Badetuch und verkroch sich, noch leise winselnd, danach unterm Küchentisch.
„Der Tag ist für ihn gelaufen!!“
Ich gemeines Frauchen konnte mir das Grinsen nicht verkneifen.