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Knödel: Wann kann ich endlich richtig bellen ...?

Von tastifix Donnerstag 08.07.2021, 16:04 – geändert Donnerstag 08.07.2021, 16:09

Meine Mama hatte mir mal erzählt, dass Menschenwelpen erst auch nicht richtig bellen (=sprechen). Dann geben die so eigenartige Laute von sich. Also ehrlich, wiff, da hört sich mein ´Waulewau` besser an. Und trotzdem lachen die erwachsenen Zweibeiner dann so sehr. Ob deren Welpen immer was Lustiges erzählen? Hm, ich verstehe ja nicht,was sie sagen, aber ganz bestimmt kann ich des besser. Allein deshalb schon, weil ich, ´Knödel v. Emsdahl`, sowieso das tollste Hundebaby bin, das es gibt. Sagt sogar mein neues Frauchen. Sie hat mir auch mal verraten, dass Menschenwelpen dann, wenn sie älter sind, gar nicht mehr wissen wollen, was sie als ganz Kleine so gesagt haben. Ob das doch nicht so lustig war, sondern eher ´pfui`? Werde ich wohl nie raus schnuppern.

Also, ich hab zwar eine doll kräftige Stimme und wenn ich was bellte, hörte es sich an wie bei einem Teddy, aber da musste ich dennoch viel dazulernen. Denn bereits als Baby wusste ich, was ich mal werden wollte. Nicht nur sehr groß, sondern vor allem Wachhund! Aber das behielt ich lieber für mich. Sonst hätten Frauchen, der Papa und meine Ersatzschwestern ja noch lauter gelacht, wenn ich hinter der Glastür lag und verzweifelt den dämlichen Postboten schrecklich gefährlich anzuknurren versuchte. Aber es kam nur ´Waulewau-quietsch dabei heraus. Knurr! Und sagt mal selber: Ein erwachsener Eurasier und ´Wauliwau-quietsch`? Hätte ich mich doch ganz schlimm schämen müssen! Richtig musste das nämlich dann ´Rruff-Wuffwuff` heißen!

Was meine neue Familie auch nicht ahnte: Erstens konnte ich sehr stur sein, wenn ich was wollte und zweitens gab ich auch nicht auf, bis ich denn das schaffte, was ich schaffen wollte. Der doofe Postbote wusste ja nicht, dass er ein toller Lehrer war. Immer, wenn der kam, hatte ich nämlich Bellstunde! Frauchens Welpen (= Kinder) waren ja froh,wenn sie mal keine Stunde hatten, aber die durften ja auch nicht ´Wuff!` üben. Die mussten anderes machen, was viel weniger Spaß machte.

Weil ich ja sehr tüchtig werden wollte und genauso nicht, dass sich meine Mama meinetwegen schämen musste, weil ich vielleicht nicht richtig ´Wuff` bellen könnte, schwänzte ich keine einzige Bellstunde, gab mir doll Mühe und wuffte und wuffte. Und nach ein paarmal hell und dunkel (mehrere Tage) klappte es plötzlich. `Wau,wau,wau,wuff, knirr!!“ Hm, das Knurren musste ich noch besser hin bekommen und so richtig gefährlich hatte ich mich wohl auch immer noch nicht angehört …

´Gemeinheit! Wieso grinsen die alle so? Immerhin hab ich doch schon richtig ´Wuff` gebellt!`
Und außerdem, so dachte ich, bin ich jetzt doll tüchtig gewesen: Der blöde Postbote ist weg. Den hab ich verjagt!!!
Ich war gekränkt, ich war beleidigt und nahm mir vor, die erst mal länger nicht mehr anzugucken. Nix da, schmusen und so! Pech gehabt, jetzt nicht mit mir!
Na ja, ich wusste ja nicht, wie drollig es geklungen hatte, als ich winziges Baby mit tiefer Teddystimme unbedingt ein erwachsenes Bellen raus bekommen wollte. Aber wenigstens hatte der dumme Postbote draußen gedacht, ich wäre sogar ein großer Bernhardiner. Wedele mal fröhlich:Triumph, Triumph!

Einige Tage danach waren alle im Haus doll aufgeregt. Ich hatte tatsächlich zum ersten Male richtig ´WUFF-knurr!` gebellt und wurde sofort dafür gelobt. Weil es so schön ist, gelobt zu werden, machte ich dann oft und immer öfter - auch ohne Postboten - ´Wuff!`
Erst waren meine Zweibeiner total aus dem Häuschen. Aber irgendwie nicht mehr lange. Ich wartete aufs Lob und da kam keines! Wieso denn nicht? Denn das, was ich zu sagen hatte, war doch bestimmt wichtig und manchmal so wichtig, dass ich dauernd was sagte und immer ´dauernder`. Schließlich war ich ein Hundekind-Prinz und durfte das deswegen auch.
´Knurr!!`
Frauchen schimpfte gar mit mir! Ich verstand die Welt nicht mehr. Erst sollte ich bellen und jetzt konnte ich es gut und nun sollte ich es nicht mehr.
´Menschen sind komisch. Sind eben keine Hunde!`

Doch es gab auch Minuten, da klopfte mein Hundekinderherz ganz laut. Immer dann,wenn Frauchen mir etwas erzählte. Dann vergaß ich die Schimpfe und bellte ganz dunkel und dann fiepte ich ganz hell und immer so weiter ... Und mittlerweile konnte ich sogar ´Wuwuwuuh!` Und weil ich so begeistert war, machte ich das denn ganz oft nacheinander. Und Frauchen strahlte.

Anmerkung seines Frauchens:
„Psst, nicht verraten: Ich hab nur den Knopf zum Ausschalten bei ihm nicht gefunden!!“

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