Sein Zuhause (2)
Von
tastifix
Donnerstag 05.10.2023, 09:04
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tastifix
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Am zweiten Tag bei uns düste Knödelchen durch sämtliche Räume. Uff, war ja verflixt anstrengend, aber es galt, sich den neuen Besitz mit allem Drum und Dran zu erobern. Er verteilte am laufenden Band strenge Zensuren. Ein Hund wie er stellte eben hohe Ansprüche. Die kleine Vordiele plus Gästeklo und Abstellraum und die große Diele kannte er ja schon. Einen besonders wichtigen Raum, die Küche, untersuchte er besonders gründlich. Sie grub sich tief in sein Gedächtnis ein. Das Elternschlafzimmer wie auch das große Bad im Erdgeschoss waren für ihn tabu. Das großzügig bemessene Wohnzimmer teilte sich in einen Sitzbereich und ein über Eck integriertes Speisezimmer. Den weichen Teppich erklärte er zu seinem Eigentum und nutzte ihn, vor der großen Fensterfront liegend, stundenlang als Sonnenbank.
Danach besichtigte der neue Herr des Hauses die Jugendetage. Außer meines großen Zimmers, gleichzeitig Hundeschlafraum, entdeckte er noch drei Kinderzimmer, ein großes Bad, ein kleines Bad und die langgestreckte Diele mit gemütlicher Sitzecke plus einem Miniabstellraum. Anschließend rannte er hinunter in den Keller. Der war durchaus interessant. Papas Arbeitszimmer mit dem alten Klavier zog ihn magisch an. Spielte der Vater meiner Kinder darauf, flitzte Knödelchen in Windeseile durchs ganze Haus herzu, legte sich daneben und lauschte. Am liebsten hörte er Walzermelodien.
„Wuwuuuh!", sang er und wedelte begeistert.
Bei Popmusik jedoch ergriff er sofort schwer beleidigt die Flucht. Seine armen gequälten Ohren!
Die Waschküche als auch der Handwerks- und Vorratskeller interessierten ihn nicht sonderlich. Dagegen aber doppelt so sehr der tolle Hobbyraum, fast so groß wie das Wohnzimmer, in dem dann seine Ersatzschwestern oft mit ihm tobten. Sie spielten dann Ball oder auch Fangen. Letzteres fand er auf die Dauer langweilig. Er gewann ja doch meist!
Draußen aalte er sich in der Sonne, ärgerte sich ab und zu über einen verirrten Igel oder regte sich über eine unverschämt durch seinen Garten streunende Katze auf. Den Igel mied er:
„Vorsicht, das piekt!"
Die Katze erwischte er nicht. Die war viel zu flink. Frustriert bellte er wütend hinter ihr her, durfte sich jedoch nicht mal einbilden, das Vieh wäre seinetwegen geflohen. Ab und zu saß Mieze gar im Baum direkt über ihm und lachte sich offensichtlich über ihn kaputt. Im Gartenzaun entdeckte er ein größeres Loch, durch das er den Spazierweg auf der anderen Seite bestens kontrollieren konnte. Wanderten fremde Vierbeiner dort entlang, erklärte er ihnen schon mal mit Baby-Knurren, wer in Zukunft hier das Sagen hätte. Verärgert meldete er uns solche Frechheiten sehr nachdrücklich. Weil er von dort alles, also auch die Küche und vor allem mich, sein Frauchen, bestens im Blickfeld hatte, wurde es seine Lieblingsgartenecke.