Kant versus Marx
Von ehemaliges Mitglied Montag 25.12.2017, 15:56
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von ehemaliges Mitglied Montag 25.12.2017, 15:56
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Praxis (gesellschaftliche) ist ja "alles" bei Marx

Wie verhält sich aber Kant hierzu und die ganze Philosophie seit Aristoteles und Platon?
"Keine Geburt der Königin aus dem Pöbel der gemeinen Erfahrung".
(Kant)
Die Metaphysik und ihr Organ , die Vernunft , sind nach Kant streng von
der Erfahrung geschieden. Er liebt es, dieses Verhältniss unter dem Bilde
des Unterschieds aristokratischer Geburt von niedriger Herkunft darzustellen.
Die Vernunft ist königlichen Geblüts, die Erfahrung ist — Pöbel. Die Sinn-
lichkeit soll Dienerin des Verstandes sein, sie ist an sich Pöbel, weil sie
nicht denkt, sie stellt sich in Masse dar, die Sinne sind wie das gemeine
Volk, welches, wenn es nicht Pöbel ist (ignobile rulgus), seinem Oberen, dem
Verstände, sich . . . unterwirft. Anthr. §. 8. 9. 10. Daher ist auch die
Berufung auf widerstreitende Erfahrung gegenüber den Ideen nach Krit.
316 pöbelhaft und eines „Philosophen ganz unwürdig". Schon bei Leib-
niz, N. Ess. 195b findet sich das Bild: die Sinnlichkeit ist quelque chose
d'inferieur à la raison, was Schaarschmidt richtig so übersetzt: nichts
Ebenbürtiges. Diesen Geburtsunterschied (beide sind „sehr ungleichartig"
86) betont Kant mehrmals: „Die reinen Begriffe müssen finen ganz anderen
Geburtsbrief, als den der Abstammung von Erfahrungen aufzuzeigen
haben." Krit. 86 vgl. 112. Sie haben ihren Geburtsort im Verstände allein.
66. (Geburtsort der Metaph. in der r. V. Prol. Or. 215). Besonders prä-
gnant für diesen Geburts- und Standesunterschied ist die berühmte Stelle in
der Kr. d. pr. V. (A. 154): „Pflicht! du erhabener, grosser Name . . . wel-
ches ist der deiner würdige Ursprung und wo findet man die Wurzel deiner
edlen Abkunft, welche alle Verwandtschaft mit Neigungen stolz ausschlägt,
und von welcher Wurzel abzustammen die unnachlässliche Bedingung des-
jenigen Werthes ist, den sich Menschen allein selbst geben können?" In einer
noch feudaleren Weise wird das Bild in der Kritik d. Urth. Einl. II. aus-
geführt ; darnach ist die Natur unterworfen den Begriffen a priori, als Herrschern,
welche auf dem Boden derselben als ihrem rechtlich ihnen zukommenden
Herrschaftsgebiet (ditio) gesetzgebend sind. Diesen herrschaftlichen,
adeligen mit Gerichtsbarkeit und Gesetzgebung ausgestatteten Begriftsklassen
stehen die gemeinen Erfahrungsbegrifte wie rechtlose Bauern gegenüber,
welche in der Natur überhaupt nur Aufenthalt (Domiciliimi) , aber keine
gesetzgebende Macht haben. Der Gebrauch dieses Bildes lässt sich bis auf
Aristoteles und Piaton zurückverfolgen: Laas, Ideal, u. Posit. 70.
Die Aristokratie der Vernunft und der Pöbel der Erfahrung. (Kant)