Philosophie heute - Interview mit Sloterdijk
Von
Novelle
Dienstag 26.12.2017, 14:43
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Novelle
Dienstag 26.12.2017, 14:43
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Einer Ihrer berühmtesten Sätze aus der 1983 erschienenen „Kritik der zynischen Vernunft“ lautet: „ Seit einem Jahrhundert liegt die Philosophie im Sterben und kann es nicht, weil ihre Aufgabe nicht erfüllt ist “. Was müssen Philosophen heute leisten?
Sloterdijk: Die Philosophie hat dasselbe zu leisten, was sie von Anfang an versprochen hat, nämlich den Menschen solange zu befragen, bis er über seine ganzen bisherigen Lebensverhältnisse unsicher wird. So kann der Mensch in die Lage kommen, sein Leben aus prinzipiellen Gründen neu zu begründen. Somit ist Philosophie eine Übung der Skepsis. Und genau diese Arbeit ist nicht zu Ende geführt worden. Darauf spielt das Zitat aus der Kritik der zynischen Vernunft an.
Womit muss der Mensch rechnen, wenn er sich selbst infrage stellt?
Sloterdijk: Zunächst einmal wird er auf eine produktive Weise asozial.
Asozial?
Sloterdijk: Ja, weil er mit den fertigen Antworten einer Gesellschaft nicht mehr leben kann. Es folgt ein Rückzug.
So ein Rückzug kann Erkenntnis bringen. Sie gehen aber immer wieder in die Öffentlichkeit und nannten sich einen „ Lehrer, der beim lauten Denken in Fahrt kommt und andere mitnimmt “. Das klingt leidenschaftlich.
Sloterdijk: Ich habe immer zu der Ansicht geneigt, dass das Denken keine Tätigkeit auf eigene Faust ist. Denken ist keine bloße Bastelei, kein Monolog und keine sinnlose Raserei eines fiebrigen Gehirns, sondern Denken gründet auf dem Umgang mit richtiggestellten Aufgaben.
Lässt sich das durch ein Beispiel verdeutlichen?
Sloterdijk: Das ist wie im Märchen „ Frau Holle “, als das gute Mädchen zu einem Backofen kam, der voller Brot war, das Brot aber rief: „ Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: Ich bin längst ausgebacken.“ Das tat das Mädchen. Mit dieser Episode verhält es sich wie mit dem Denken. Es wird eine Aufgabe gestellt und die wird angenommen. Dagegen ist das Ausrechnen von mathematischen Gleichungen auf einem Blatt Papier kein Denken.
Denken fördert Skepsis und kann einem die Zuversicht rauben. Sie haben mal gesagt, dass Sie sich auf dem zweiten Bildungsweg von einem natürlichen Pessimisten zu einem künstlichen Optimisten entwickelt haben. Wie optimistisch sind Sie für Deutschland nach dem Aus für eine Jamaika-Regierung und dem nervösen Vorgeplänkel für eine Große Koalition?
Sloterdijk: Das Scheitern einer Regierung ist kein Unglück. Unsere Nachbarn in Belgien sind eineinhalb Jahre ohne Regierung ausgekommen. Und es ist ja bekannt, wie gut die Wiener Philharmoniker spielen, wenn kein Dirigent am Pult steht. Somit können die Deutschen beruhigt schlafen....
Laut Sloterdijk verändern US Konzerne wie Google oder Appel unsere Denk- Arbeits- und Schreibweisen.
Stirbt etwa unsere Handschrift aus?
Philosoph Sloterdijk: " Menschen starren idiotisch in ihre Smartphones " - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine:
Externer Inhalt
Dieser Inhalt wird nicht von Feierabend.de bereitgestellt. Du kannst ihn nur lesen, wenn Du zustimmst, dass er von augsburger-allgemeine.de nachgeladen wird. Bist Du einverstanden, dass externe Inhalte nachgeladen werden? Mehr dazu erfährst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.
einverstanden