Gedanken aus 70+ Jahren Leben - Teil1
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Feierabend-Mitglied
Freitag 27.08.2021, 09:23
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Freitag 27.08.2021, 09:23
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Naja.
Da ist man dann gewachsen.
Ich leider a wengal zu sehr in die Breite.
Gewachsen an seinen Aufgaben.
Richtig weiche Eier gelingen mir immer noch nicht.
Man hat erlebt.
Vieles.
Das könnte bei allen Bücher füllen.
Dennoch vorwiegend leere Blätter und ein volles Erinnern.
Woran erinnere ich mich?
An mein Kindsein, meine Familie.
Kaum.
Menschen, die mich ins Erwachsensein begleiteten, waren Menschen der 30er Jahre.
Keine so gute Grundlage für ein heiteres Begleiten ins Erwachsenwerden.
Erziehung nach dem 4. Gebot und unbeantwortete Fragen.
Meine Neugier ging nicht verloren dadurch.
Meine Angst, nicht geliebt zu werden, wenn nicht brav, auch nicht.
Die wurde nur tituliert in therapeutischer Erkenntnis.
Und liegt teilweise im Mülleimer meiner nicht mehr veränderbaren Herkunft.
Von da aus grinst sie aber immer noch manchmal frech und meint mich fassen zu können.
Ich grins zurück.
Du nicht!
Irgendetwas hat mich arg beeindruckt, als mein Onkel Max von Biarritz erzählte.
Nirgendwo auf der Welt sei es so schön.
Das war das einzige Mal in seinem Leben, dass er am Meer war.
Er war da in Kriegsgefangenschaft.
In meinem Leben gab es keinen Krieg, aber Wirtschaftswachstum und die Entwicklung von der Zinkwanne zum hightech Bad.
Vom Dampfradio zum Handy.
Vom Kohlenofen zur Energiedebatte.
Von Mensch Ärgere dich nicht zum Online Spiel.
Von Moral zu freier Liebe zum erlaubten one night stand.
Von Schiefertafel und Kreide zum Laptop.
Nostalgie?
Ja und nein.
Es ist nicht niedlich-verlogene Sentimentalität, wenn ich mit einfältigem Gluckenblick von meinen Kindern schreibe.
Von der Erinnerung an sie, als sie noch klein waren.
An meine kleine Indianerintochter, die mit hängenden Schultern die Straße entlang ging, die Traurigkeit im ganzen Körper.
Weil die Buben sie nicht mitspielen lassen wollten, weil es keine Mädchenindianer gibt.
Das änderte sich abrupt als sie 16 war.
An den ersten Passivsatz meines Sohnes:
Will nicht kämmen gewerdet.
Überhaupt an die vielen Kindersätze.
Danz denau so hab ich es dewollt.
Mama.
Heute sind beide erwachsen.
Und wenn etwas in meinem Leben sowas wie großartig war und ist, dann sind es meine Kinder.
Das teile ich mit fast allen Eltern.
Alle anderen Kinder sind immer die zweitbesten und-schönsten.
Das ist vollkommen in Ordnung.
Die Erinnerung an mein Berufsleben wäre ein ganzes Buch – sogar ein wichtiges.
Allem voran erinnere ich mich an das Bild, wenn die kids Schulaufgabe schrieben – die Füße fest auf dem Boden, das Gesicht angespannt und so voller Willen, es gut zu machen.
Heute noch wird es mir warm und a wengal weh bei dieser Erinnerung.
Denn meine Berufsrolle ließ dieses Gefühl nicht zu.
Hab es trotzdem heimlich gelebt.
Erinnerungen.
Sie beinhalten nahezu immer Menschen.
Und deshalb ist die Erinnerung an sie so wechselwirkend wie die Menschen halt in einem Leben sind.
Da gibts nix abzurechnen.
Es gibt keine wirklichen Feinde.
Weil ja alle nix anderes sind, als man selbst ist.
Mensch.
Und verflixt nochmal.
Wichtiger ist die Erinnerung an die,
die mich zum Lachen gebracht haben.
Meine Jammerei nicht zuließen und dennoch nicht kalt waren.
Weil sie Leben teilen mochten.
Weil sie Zeit schenkten und Gedanken und Worte und Gesten.
Und ein großes rotes Windrad.
Und einen Sonnenblumenstrauß.
Und Linsensuppe.
Und ganz viel mehr.
Menschen sind die schönste Erinnerungssumme meines Lebens.