Gendersternchen
Von ehemaliges Mitglied Samstag 24.07.2021, 11:51
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Gendern ist auch so eine Sache, bei der Moral und Ästhetik angeblich aufeinanderprallen, vor allem, sobald das Thema in sozialen Netzwerken diskutiert wird. Die Ästhet*innen, die gegen Gendern sind, argumentieren natürlich mit der Umständlichkeit der geschlechtergerechten Sprache : Hier ein Sternchen, da ein Binnen-I, sehe alles völlig unübersichtlich aus, es gebe keine einheitlichen Regeln. Sprache müsse ja auch praktisch sein und Zeit sparen, wir wüssten schließlich alle, was gemeint sei. Die Moralist*innen auf der anderen Seite halten dagegen: Sprache müsse in erster Linie gerecht sein.
Genauso feinsinnig ist auch die Ästhetik des Genauseins. Selbst wenn Gegner*innen des Gendern glauben, etwa sechs Zeichen mehr pro Satz würde die deutsche Sprache bis zur Unlesbarkeit entstellen, ist Gendern ja nicht aufwendiger, es ist schlicht und ergreifend genauer, weil es alle aufzählt, die eigentlich gemeint sind.
Vielleicht gibt es ja auch jemandem, der oder die nicht ein Sternchen spricht, sondern sich Zeit nimmt, die männliche und die weibliche Form auszusprechen : "Lehrer und Lehrerinnen". Da lässt sich einfach jemand Zeit, um anständig zu sprechen, und das in Zeiten wie diesen !
Kolumne Autorin Sophie Passmann - ZEIT MAGAZIN Nr. 30