Artikel aus ZEIT Nr. 38
Von ehemaliges Mitglied Samstag 18.09.2021, 10:33
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Stark gekürzter Auszug Artikel " Wechsel ja, aber wohin ?" von Giovanni di Lorenzo Zeit Nr. 38
...... Wenn aber schon Politprofis die vertrauten Koordinaten nicht mehr finden, wie soll es da erst Millionen von Wählern gehen, die anderthalb Wochen vor der Wahl und nach zwei Triellen immer noch grübeln, für wen sie am 26. September votieren sollen ? Und wenn sie sich schon entschieden haben, dann ohne echte Überzeugung. Woran liegt das ?
Bleibt es jedoch bei dem sich abzeichnenden Trend, so steht uns nicht nur ein Regierungswechsel bevor, sondern eine tiefgreifende Änderung der Parteienlandschaft. Womöglich sind die starken Schwankungen in der Wählergunst und das Abschmelzen ehemals großer Parteien auf ein Niveau, das in der Regierung zu fast allen Koalitionen führen kann. Ausdruck einer sich wandelnden demokratischen Gesellschaft. Sicher aber ist, dass die Parteien diese Entwicklung durch systemimmanente Entscheidungen beschleunigt haben. Kandidatinnen und Kandidaten nicht danach auszusuchen, wer die Wählerschaft am stärksten mobilisieren kann, sondern nach der Befindlichkeit von Funktionären und Delegierten.
Mutmaßlich drei Parteien werden nach dem 26. September die großen Aufgaben gemeinsam bewältigen müssen, was die Gefahr birgt, dass sie an keiner Stelle entschieden handeln werden. Ebenso groß ist jedoch die Chance, die notwendigen Veränderungen sehr unterschiedlichen Gruppen schmackhaft zu machen und damit gesellschaftlichen Konsens zu stiften.
Jedenfalls kann man nur hoffen. Die Wählerinnen und Wähler haben eine Stimme, die unberechenbar geworden ist, und eine Botschaft, die kein noch so verbohrter Parteimensch überhören kann: Ihr könnt euch nicht mehr auf unsere Gefolgschaft verlassen !
Politiker und ihre Parteien werden sich stärker denn je an ihren Leistungen messen lassen müssen. Das Land kann viel, es verträgt auch viel - aber in den ganz großen Fragen keinen Aufschub mehr.