Der gefährliche Weg
Von ehemaliges Mitglied Samstag 10.02.2024, 13:22
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von ehemaliges Mitglied Samstag 10.02.2024, 13:22
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Am Wiederaufbau unserer BRD war Ludwig Erhard (CDU) maßgeblich beteiligt. Er ist uns als Minister in Erinnerung geblieben, der uns das Wirtschaftswunder schenkte. Leute, die so denken, vergessen gerne, dass dieser Mann uns nichts schenkte. Er hatte auch gar nichts zu verschenken. Er war auch kein Finanzjongleur, sondern lediglich ein begnadeter Organisator, der den Marshallplan und die Pläne der Alliierten, Westdeutschland zum Bollwerk gegen den Kommunismus zu machen, umsetzte. Bis hin zur freien Marktwirtschaft, die es schon immer in den USA gab. Der Kapitalismus in Amerika erfand auch schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts den Begriff »Obsoleszenz« der bedeutet, die in seiner Herstellungsweise, seinen Materialien oder Ähnlichem angelegte Alterung eines Produkts, das dadurch veraltet oder unbrauchbar wird.
Unstrittig ist, dass jedes Produkt, das dauerhaft im Gebrauch bleibt, der Obsoleszenz unterliegt. Zu der Überlegung nach den faktisch beobachtbaren Kriterien stellt sich daher immer auch die Frage, wer oder was darüber bestimmt, wann die Dinge obsolet sind? Wann sie in den Müll wandern und ersetzt werden müssen.
Das Wirtschaftswunder von Ludwig Erhard war also, wenn man so will, der Beginn unserer Wegwerfgesellschaft.
Inzwischen hat sich die Wirtschaft globalisiert. Auch sind weltweite Verflechtungen entstanden, die unter anderem die Bereiche Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation zwischen Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten betreffen.
Hauptakteure der Globalisierung sind multinationale Unternehmen, die mit ihren Investitions-, Produktions- und Produktstrategien zunehmend den Charakter und die Formen des internationalen Handels bestimmen. Auf den Finanzmärkten schließen sich weltweit nicht nur die Börsen verschiedener Standorte aus unterschiedlichen Ländern zusammen. Anbieter und Nachfrager können Preise und Informationen über profitable Anlagenprojekte miteinander vergleichen.
Die von Frau Dr. Angela Merkel so gepriesene „entfesselten Marktkräfte“ haben inzwischen zu einer Situation geführt, die man wahrlich nur mit Haifischkapitalismus bezeichnen kann.
Investoren, die auf dem Immobiliensektor unvorstellbaren Profit gemacht haben, und nun, da die Zinsen steigen, andere Geldquellen suchen mussten, sind fündig geworden.
Inzwischen sind Arztpraxen offensichtlich eine lukrative Anlagemöglichkeit. Finanzinvestoren haben in den vergangenen Jahren Hunderte Praxen in Deutschland im Bereich der Augenheilkunde gekauft. In einigen Regionen und Städten gehört mittlerweile der Großteil der Augenarztpraxen zu einem größeren Finanzunternehmen.
Ziel ist der Weiterverkauf mit möglichst hohem Gewinn.
Das Problem ist jedoch das zugrunde liegende Geschäftsmodell.
Die Käufer der Praxen sind oft sogenannte Private-Equity-Unternehmen. Sie sammeln Geld von Investoren ein. Dann kaufen sie mehrere kleinere Unternehmen auf und bündeln sie in einem größeren Konzern. Nach einigen Jahren verkaufen sie diesen mit einem möglichst hohen Gewinn weiter. Dieses Geschäft betreiben einige Unternehmen auch mit Praxen von Humanmedizinern.
Dafür müssen sie die Praxen formal in sogenannte medizinische Versorgungszentren (MVZen) umwandeln. Denn eigentlich dürfen Finanz-Investoren keine Arztpraxen kaufen. Sie dürfen jedoch Krankenhäuser erwerben, die wiederum MVZen, also Arzt-Praxen, betreiben dürfen.
Die ursprüngliche Idee war, dass sich Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen in solchen Versorgungszentren zusammenfinden. 2015 wurde das Gesetz jedoch geändert. Seitdem dürfen auch MVZen betrieben werden, in denen nur Ärzte eines Fachs tätig sind. Seitdem ist die Zahl der Praxisübernahmen durch Investoren deutlich gestiegen.
Da stellt sich mir die Frage, wer macht solche Gesetze? Und wer sitzt wo am längeren Hebel, damit sie im Parlament durchgesetzt werden?
Mir jedenfalls wird wieder einmal klar, wie gefährlich Leute für die Menschheit sind, die mit Geld Geld verdienen.
Früher, also als es noch keine Börsen gab, war für den einfachen Menschen die Welt noch in Ordnung. Damals gab es nur Handwerker, Händler und Dienstleistende.
Die Börse, so wie wir sie heute kennen, geht auf den Kolonialismus zurück. Ähnlich wie an einer heutigen Börse wurde bereits im zwölften Jahrhundert in den italienischen Städten Venedig, Florenz, Genua und Lucca gehandelt, bald auch in der Champagne und in Brügge. Hier trafen bereits im Mittelalter Geldwechsler, Kaufleute und Händler auf öffentlichen Marktplätzen zusammen, um Geschäfte abzuschließen. Dabei wurden alle möglichen Rohstoffe, fertige Produkte sowie Staatsanleihen und Währungen umgesetzt. Auch Kredite wurden auf den Märkten vergeben und sogar die ersten Termingeschäfte wurden abgeschlossen.
Im Laufe der Zeit nahm die Anzahl der Marktteilnehmer zu, und so stieg das Handelsvolumen. Damit wurden feste Regeln für den Handel notwendig, ebenso ein Handelsgebäude. Hier war die belgische Stadt Brügge Vorreiter: Sie verlegte den Handel in ein eigenes Gebäude, und zwar in das Haus der Familie »van der Beurse«, die in ihrem Wappen drei Geldbeutel (lateinisch: bursa) führte und von 1257 bis 1457 dort ansässig war. Damit war auch der Begriff Börse für diesen Handelsplatz geboren.
Die erste katastrophale Fehleinschätzung von Investoren war dann die Tulpenblase.
Im 16. Jahrhundert wurden erstmals Tulpen aus der Türkei nach Westeuropa importiert. Im darauffolgenden Jahrhundert führte dies zu einer der seltsamsten Wirtschaftsepisoden in der Historie der Niederlande. Einfarbige Tulpen wurden zu dieser Zeit auf den niederländischen Märkten zu angemessenen Preisen verkauft.
Als aber neue Sorten gezüchtet wurden, gingen die Preise nach oben, es entstand eine regelrechte Tulpenmanie. Um das Jahr 1623 wurde mit der „Semper Augustus“ eine außergewöhnlich seltene und besonders bewunderte Tulpenart in die Niederlande importiert. Eine einzige Tulpenzwiebel wurde für 1.000 Gulden verkauft.
Für diese Summe musste damals ein normaler Arbeiter ungefähr sechs Jahre arbeiten. Zehn Jahre später kostete die Zwiebel der „Semper Aurora“ schon 5.000 Gulden. Bis zum Höhepunkt des Hypes verdoppelte sich der Tulpenzwiebelpreis auf 10.000 Gulden. Für diese Summe hätte man sich anstelle der Tulpenzwiebel ein stattliches Haus im Zentrum von Amsterdam kaufen können.
Obwohl es inzwischen etwa 500 verschiedene Tulpensorten gab, verlangten die Verehrer der Blume nach immer neuen Züchtungen, und die Züchter lieferten sie. Schließlich war die Tulpe zu einem Objekt der Spekulation geworden, da die Preise geradezu explodiert waren. Die Spekulanten haben sogar Optionsscheine auf Tulpenzwiebelanteile gekauft.
Immer mehr Leute, die auch an den großen Preissteigerungen verdienen wollten, investierten in Tulpenzwiebeln. Der Zwiebelmarkt hatte sich zu einem Tulpen-Termingeschäft entwickelt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Höhepunkt des Booms erreicht sein würde. 1637 war es dann so weit: Die Zwiebelblase platzte. Bei der jährlichen Versteigerung der Tulpenzwiebeln in der niederländischen Stadt Alkmaar fanden sich am 7. Februar 1637 nicht genug Käufer.
Dadurch fielen die Preise ins Bodenlose und nicht wenige Spekulanten verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Das plötzliche Ende der wahnsinnigen Tulpenmanie führte im Jahre 1637 zum ersten großen Absturz an einer Börse in der Weltgeschichte. Am 27. April 1637 verfügte die Regierung der Niederlande, dass Tulpen eine ganz gewöhnliche Ware sind und als solche gehandelt und deshalb bar bezahlt werden müssen.
Verursacher von Inflationen waren fast immer Spekulanten, die auf den schnellen Gewinn hofften. Also Menschen, die nicht nur für sich selbst große Risiken eingingen, sondern schon für den Zusammenbruch der Wirtschaft in etlichen Staaten verantwortlich waren.
Bleibt uns also nur zu hoffen, dass dem Trend, mit Krankenhäusern, Arztpraxen und anderen lebensnotwendigen Einrichtungen den schnellen Reibach zu machen, so schnell wie möglich Einhalt geboten wird.