Direktorin Prof. Dr. Susan Neiman
Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 18.09.2024, 10:48
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Am 21. und 22. September 2024 plane ich einen Artikel von Frau Professor Dr. Susan Neiman –Von den Deutschen lernen? – zu posten.
Damit sich jeder im Vorfeld darüber eine Meinung bilden kann, möchte ich nicht nur über meine Motive berichten, sondern auch über das, was uns erwartet.
Solange ich auf dieser Welt bin, habe ich von anderen Menschen gelernt. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass ich grundsätzlich von jedem Menschen lernen kann, wie umfangreich oder minimal seine eigene persönliche Bildung auch sein mag.
Grundsätzlich aber habe ich mich an mental starken Menschen orientiert. Denn die nehmen ihre Gefühle intensiv wahr, und sie sind in der Regel realistisch und optimistisch eingestellt.
Von ihnen habe ich gelernt, mich lösungsorientiert zu verhalten und mich selbst wertzuschätzen. Durch solche Menschen lernte ich, meine eigenen Grenzen zu kennen, während ich mich ständig weiterentwickelte.
Ich lernte auch, wie wichtig es ist, immer sich selbst gegenüber kritisch aber ehrlich zu sein.
Im Laufe meines langen Lebens traf ich immer wieder auf solche Leute. Intensiv gesucht habe ich aber nach starken Frauen. Es muss wohl daran liegen, dass meine erste Liebe eine solche junge Frau war. Von ihr habe ich unendlich viel lernen können. Das ist auch einer der Gründe, warum sie bis heute einen festen Platz in meinem Herzen hat.
Um eine so starke Frau handelt es sich auch bei Frau Prof. Dr. Susan Neiman.
Sie wurde in Atlanta, Georgia, geboren, studierte Philosophie an der Harvard Universität und der Freien Universität Berlin; bevor sie im Jahre 2000 die Leitung des Einsteinforums in Potsdam übernahm, war sie Professorin für Philosophie an der Yale Universität und der Tel Aviv Universität.
Sie ist Autorin u. a. von Slow Fire: Jewish Notes from Berlin, The Unity of Reason: Rereading Kant, Evil in Modern Thought, Fremde sehen anders, Moral Clarity: A Guide for Grown-up Idealists, Why Grow Up? Subversive Thoughts for an Infantile Age, Learning from the Germans. Race and the Memory of Evil und Left is not Woke.
Hier eine Leseprobe, damit jeder beurteilen kann, ob er sich den Artikel durchlesen möchte oder nicht.
Er beginnt folgendermaßen:
"Ein Buch mit diesem Titel würde ich niemals lesen." Einige potenzielle deutsche Leser haben mir dies ins Gesicht gesagt, ohne zu fragen, was ich mit dem provokanten Titel "Von den Deutschen lernen" im Sinn hatte. Solche Menschen, ob sie sich "antideutsch" nennen oder nicht, sind von vornherein überzeugt, dass es nichts, aber auch gar nichts von den Deutschen zu lernen gebe. Im Gegenteil: Deutsche Geschichte vor 1933 sei Vorgeschichte der NS-Herrschaft, und der Umgang mit dieser Herrschaft nach 1945 sei skandalös verlogen. – Solche Vorwürfe bestätigen meine Hauptthese, denn kein anderes Land der Welt würde ein Lob, und sei es auch so verhalten, sofort zurückweisen. Doch anstatt zu fragen, was hinter diesem Titel steckt, gingen viele davon aus, dass ich als gebürtige Amerikanerin unfähig sei, hinter den pietätvollen Beteuerungen von Schuld und Sühne den wahren Charakter der Deutschen zu erblicken. Sind Amerikaner nicht bekanntlich naiv?
Weit gefehlt. Wie alle Juden, die in Deutschland gelebt haben, könnte ich ein ganzes Buch mit den antisemitischen Erfahrungen füllen, die ich hierzulande gemacht habe. Solche Bücher kommen ja in Deutschland gut an. Dafür müsste ich nicht auf die Erfahrungen zurückgreifen, die ich in West-Berlin in den 1980er Jahren gemacht habe und die schließlich dazu führten, dass ich Ende 1988 zurück nach Amerika ging. Wie sollte ich Kinder in einem Land großziehen, wo mir eine Tagesmutter sagte: "Hätte ich gewusst, dass ihr Juden seid, hätte ich ihn nie genommen"? Die Frau war nicht besonders antisemitisch, nur besonders ehrlich. "Nicht, dass ich etwas gegen Juden habe", führte sie fort. "Schließlich könnt ihr nichts dafür. Aber ich hätte ihn nicht als normales Kind behandeln können. Jetzt, wo ich ihn kenne, ist er ein Kind wie jedes andere." Es fiel mir verdammt schwer, Berlin gegen New Haven zu tauschen, eine endlos faszinierende Großstadt gegen eine Kleinstadt, die neben einer bekannten Universität nur ein armes, verwüstetes schwarzes Ghetto zu bieten hatte. Doch wie sollte ich in einem Land bleiben, wo meine Kinder und ich ständig unsere Identität verstecken müssten?
Ich hoffe, dieser Auszug hat Interesse in euch wecken können und ihr schaut am Wochenende mal bei mir rein …