Epilog aus dem Buch – Größer als das Amt –.
Von ehemaliges Mitglied Samstag 23.09.2023, 08:06
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Die Präsidentschaft von Donald Trump war eine Bedrohung für vieles, dass unserer Nation zur Ehre gereicht.
Wir alle tragen eine Mitverantwortung für das eher unterirdische Angebot, das uns Wählern bei der Präsidentschaftswahl von 2016 präsentiert worden ist, und jetzt zahlt unser Land dafür einen hohen Preis: dieser Mann ist ohne Moral und agiert ohne jede Bindung an die Wahrheit die Werte unserer Demokratie.
Unter seiner Führung verkam Politik zum reinen Geschäft, er ist Egozentriker und verlangt persönliche Ergebenheit. Zu unserem Glück haben sich einige ethisch integre Persönlichkeiten entschieden, auf herausgehobenen Posten im Staatsdienst zu bleiben, aber sie konnten nicht alle verhindern, was die einen Flächenbrand gleichende Präsidentschaft Trumps an Schäden anrichtete. Sie konnten nur das Feuer eindämmen, so gut sie es eben vermochten.
Ich erlebte mit, wie viele sich selbst konservativ nennende Kommentatoren, darunter hochrangige Kirchenmänner, unter Verweis auf ihnen gelegen kommende politische Initiativen oder Berufungen von Richtern ihr Einverständnis mit diesen Zerstörungswerk rechtfertigten und zugleich die Demontage grundlegender Normen und ethischen Werte durch diesen Präsidenten kleinredeten.
Mir erschien das sowohl heuchlerisch als auch verwerflich. Was ich mit heuchlerisch meine, wird klar, wenn man einen simplen Rollentausch vornimmt und sich vorstellt, eine Präsidenten Hillary Clinton hätte sich eine ähnliche Amtsführung geleistet. Ich sage das nicht zum ersten Mal, aber es verträgt eine Wiederholung: man schließe die Augen und stelle sich vor, was man von diesen Leuten zu hören bekäme, wenn eine Präsidenten Clinton dem FBI – Direktor im Hinblick auf Ermittlungen gegen einen ihrer Spitzenbeamten gesagt hätte: »ich hoffe, Sie können das sein lassen«, oder wenn sie Tag für Tag triviale, leicht zu widerlegende Lügen herausposaunte und dann von uns verlangen würde, dass wir sie glauben. Diese Heuchelei ist so krass, dass ich schon wieder einen makabren Reiz entfaltet.
Ich sage das als einer, der fast sein ganzes erwachsenes Leben im Gesetzesvollzug zugebracht und der Präsidenten aus beiden Parteien gedient hat. Was da vor sich ging, ist nicht normal, das war einfach nicht in Ordnung.
Es ist, gleichwelcher politischer Couleur man zuneigt, die Aushöhlung der Normen und Traditionen, die für das Präsidentenamt und für unser öffentliches Leben seit Jahrzehnten – oder in vielen Fällen schon seit Gründung unserer Republik – maßgeblich waren zu verharmlosen.
Es ist moralisch falsch, tatenlos oder, schlimmer noch, schweigend zuzusehen – obwohl man es besser weiß –, wie ein Präsident schamlos versucht, das Vertrauen der Öffentlichkeit in Institutionen des Gesetzvollzugs zu untergraben, die dafür geschaffen wurden, unsere Politiker im Zaum zu halten. Jede Organisation hat ihre Schwächen, aber die beamteten Strafverfolger und Ermittler im Justizministerium haben ihre Daseinsberechtigung – sie sollen, ungeachtet ihrer persönlichen politischen Neigung, über den Parteien stehen und ihr Handeln einzig am Wohle des Landes ausrichten.
Ohne dieses Gegengewicht gegen die Machtbefugnisse der Exekutive, ohne die Entschlossenheit dieser Institutionen, gegen Machtmissbrauch einzuschreiten, kann unser Land keine funktionierende Demokratie bleiben. Ich weiß wohl, dass im Kongress der vereinigten Staaten auf beiden Seiten des Mittelgangs rechtschaffene Leute sitzen, denen dies alles bewusst ist. Doch zu wenige von ihnen, erheben ihre Stimme. Sie müssen sich fragen, wen sie mehr Loyalität schulden: den Interessen ihrer Partei oder den Säulen, auf denen unsere Demokratie ruht? Ihr Schweigen bedeutet Mitschuld, denn es ist das Resultat einer bewussten Entscheidung, und in ihrem tiefsten Inneren wissen Sie das auch.
Politische Programme kommen und gehen. Oberste Richter kommen und gehen. Doch den Wesenskern unserer Nation bildet unser fester Glaube an einen gemeinsamen Wertekanon, zudem George Washington den Grundstein gelegt hat – der Glaube an Mäßigung, Integrität, Ausgewogenheit, Transparenz und Wahrheit. Wenn uns diese Werte entgleiten, würden sich wohl nur die ganz Unbedarften darüber mit einer Steuersenkung oder einer anderen Einwanderungspolitik hinwegtrösten lassen.
Ich entscheide mich lieber für die optimistischere Sicht der Dinge. Ja, dieser Präsident hat auf kurze Sicht erheblichen Schaden angerichtet. Normen und Traditionen, die für unsere Demokratie wichtig sind, vielen ganz oder teilweise den Flammen zum Opfer. Andererseits: bei all dem schlimmen, was ein Flächenbrand anrichten kann, bringt er doch auch neues Wachstum hervor. Er lässt Dinge sprießen, die vor dem Brand nicht gedeihen konnten, weil alteingesessene Bäume und Gestrüpp den Boden zu einem unwirtlichen Ort für neue Pflanzen machten. Heute sehe ich, während die Flammen noch wüten, neues Leben aus diesem Boden hervor wachsen – junge Menschen, die sich arrangieren wie nie zuvor, und Medien, Gerichte, Akademiker, gemeinnützige Organisationen und alle anderen Elemente der Zivilgesellschaft, die neue Kraft schöpfen.
Dieser Flächenbrand eröffnet zudem die Chance, die Machtbalance zwischen den 3 Gewalten unseres Staates neu zu justieren und uns wieder den Verhältnissen anzunähern, die den Gründungsvätern vorschwebte. Einiges deutet darauf hin, dass das Präsidentenamt aus diesem Feuer geschwächt hervorgehen wird, der Kongress und die Gerichtsbarkeit hingegen gestärkt – ähnlich wie nach der großen Feuersbrunst „Watergate“. Das birgt sehr viel Gutes in sich.
Leute, die sich Gedanken machen, starren gebannt auf den bösen Parteienhass, der bei uns um sich gegriffen hat. Doch die Trump – Präsidentschaft hat es nicht vermocht, der Lüge zu einer neuen normativen Akzeptanz zu verhelfen, ganz im Gegenteil: sie hat eine Rückbesinnung auf Wahrheit und Moral bewirkt. Eltern reden mit ihren Kindern wieder darüber, dass es sich gehört, die Wahrheit zu sagen, alle Menschen zu respektieren, Vorurteile und Hass zurückzuweisen. An Schulen und religiösen Einrichtungen wird über Führungsstil diskutiert, der sich an Werten orientiert.
Der nächste US – Präsident wird, gleich welcher Partei er angehört, sicher auf Werte wie Wahrheit, Integrität, Respekt und Toleranz pochen, wie es seit mehr als 40 Jahren kein Politiker in unserem Land getan hat. Der Flächenbrand wird für einige gute Dinge Licht und Luft zum Wachsen schaffen.
Ich habe dieses Buch geschrieben in der Hoffnung, dass es denen zum Nutzen gereicht, die den Flammen ausgesetzt sind und darüber nachdenken, was als Nächstes kommt. Ich hoffe aber auch, dass es noch lange nach dem Erlöschen der Flammen ein aufschlussreiches Buch für meine Landsleute bleibt in dem es sie animiert, sich für eine Loyalität zu entscheiden, die größer ist als Parteizugehörigkeit und Amt, das sie die Wahrheit herauszufiltern und sich für eine integre, ethisch geerdete Führung einsetzen.