Fehlverhalten
Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 01.08.2024, 11:16
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Wir leben gerade in einer gefährlichen Zeit, mit einem politischen Klima, in dem Fakten angezweifelt, fundamentale Wahrheiten infrage gestellt werden, zu lügen für normal erklärt und unethisches Verhalten ignoriert, entschuldigt oder sogar belohnt werden. Das geschieht, wie wir feststellen müssen, überall auf der Welt. In den Vorstandsetagen führender Unternehmen ebenso wie in den Nachrichtenredaktionen und Universitäten, in der Unterhaltungsindustrie, im Profisport und bei den Olympischen Spielen. Ein paar Betrüger, Lügner und Verbrecher haben ihre Quittung erhalten. Andere kommen noch immer mit Entschuldigungen und Rechtfertigungen davon und können darauf bauen, dass ihr Umfeld auch weiterhin wegschaut oder ihr schlechtes Benehmen sogar erst möglich macht.
Wenn es also jemals an der Zeit war, über einen ethisch integren Führungsstil nachzudenken, dann genau jetzt. Ich bin beileibe kein Experte für Führungsethik, habe aber viel darüber gelesen und in meiner politischen Arbeit sehr oft die Gelegenheit gehabt zuzuhören, wenn in der Öffentlichkeit stehende Politiker ihre Ansichten darüber zum Besten gaben. Da es nicht die perfekte Führungspersönlichkeit gibt, die uns so etwas beibringen kann, obliegt es uns allen, denen ethisch geerdetes das Handeln wichtig ist, das Thema immer wieder ins Gespräch zu bringen und uns selbst und jedermann anzuhalten, es besser zu machen.
Der Ethik verpflichtende Führungspersönlichkeiten entziehen sich nicht der Kritik und Selbstkritik und gehen nicht in Deckung vor unbequemen Fragen. Sie sind froh über beides. Jeder Mensch hat Schwächen. Auch ich, damit schlage ich mich schon mein ganzes Leben lang herum. Sehr oft, wenn ich auf bestimmte Situationen zurückschaue, wünsche ich mir, ich hätte mich anders verhalten, und manche sind mir regelrecht peinlich. Das geht vielleicht den meisten von uns so. Wichtig aber ist, daraus zu lernen und es beim nächsten Mal hoffentlich besser zu machen.
Auch ich finde es nicht besonders angenehm, kritisiert zu werden. Aber ich weiß, dass ich mich irren kann, auch wenn ich mir meiner Meinung noch so sicher bin. Denen zuzuhören, die anderer Ansicht sind, und sich Zeit für Kritik zu nehmen, ist unerlässlich, wenn man der verführerischen Kraft allzu großer Selbstgewissheit nicht erliegen will. Zweifel ist Klugheit – das habe ich gelernt. Und je älter ich werde, desto weniger Gewissheit habe ich.
Menschen, die in einer Führungsposition sind und glauben nie falsch zu liegen, die ihr Urteil über ihren Standpunkt nie infrage stellen, sind eine Gefahr für ihre Organisation und für die Menschen, die von ihnen geführt werden. In manchen Fällen sind sie sogar eine Gefahr für ihr Land und für die ganze Welt.
Das Beispiel Donald Trump sollte uns eine mahnende Lehre sein …