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Gedanken über den Journalismus

Von ehemaliges Mitglied Samstag 14.09.2024, 11:26

Ein Teil der Bevölkerung glaubt, Journalisten würden sie systematisch belügen und mit der Politik Hand in Hand arbeiten, um die Bevölkerungsmeinung zu manipulieren.
Ist an solchen Verschwörungstheorien etwas Wahres dran, oder entbehren sie jeglicher Grundlage?

In der Regel fehlt denen, die Verschwörungstheorien anhängen, einfach nur das Wissen, um die Funktionsweise des Realismus in der liberalen Demokratie verstehen zu können. Viele glauben, die Medien würden als ein Spiegel fungieren, der ein verkleinertes Abbild der Realität erschafft.

In Wahrheit entwerfen Journalisten durch ihre Recherche- und Selektionstätigkeiten überhaupt erst eine Vorstellung der Wirklichkeit, konstruieren also ein Bild der Realität.

Forscher gehen daher heute nicht mehr davon aus, dass massenmediale Kommunikation die Realität spiegelt, sondern dass sie überhaupt erst eine Vorstellung von ihr entwirft. Zugespitzt gesagt: Die Wirklichkeit ist nicht die Voraussetzung von massenmedialer Kommunikation, sondern im Gegenteil deren Ergebnis, wie es der Kommunikationswissenschaftler Winfried Schulz 1989 formulierte.



Journalisten sollen lediglich die Augen und Ohren des Publikums sein und über das aktuelle Geschehen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft informieren – doch ein Teil der Bevölkerung traut diesen Augen und Ohren nicht. Das Wort von der „Lügenpresse“ ist seit 2014 in vielerlei Munde, seitdem es auf Pegida- und AfD-Demonstrationen skandiert wurde.

Aktuelle Befragungsdaten aus dem Reuters Institute Digital News Report zeigen, dass für 14 % der erwachsenen Onliner soziale Medien wie Facebook oder Instagram die wichtigste Nachrichtenquelle im Internet sind – bei den 18- bis 24-jährigen Nutzer waren es im Befragungsjahr 2023 sogar ganze 35 %, die Social-Media-Plattformen als ihre Hauptnachrichtenquelle bezeichnen.

Die Kleinteiligkeit und die gesteigerte Orientierung an einzelnen Posts statt sorgfältiger journalistischer Gesamtpakete fördert eine Wissensillusion und kurzfristige Beschäftigung mit Nachrichten, die primär auf Schlagzeilen und Kurzaussagen ausgerichtet ist.

Diese Analogie zur Nahrungsaufnahme hilft auch, die damit verbundenen Probleme zu verdeutlichen:

Statt vollwertiger (Nachrichten-)Mahlzeiten kommen lediglich einzelne Informationshappen mit geringem Nährwert auf den Tisch; eine unzureichende und/oder einseitige Themen- und Wissensvermittlung droht.
Obwohl auch ‚Snack News‘ informieren und gemäß experimentellen Untersuchungen zumindest „ein klein wenig Wissen vermitteln können, stellt sich die Frage, wie die Qualität von Meinungsbildungsprozessen einzuschätzen ist, die (nahezu) ausschließlich auf der Rezeption isolierter Nachrichtenfragmente besteht.

Mein Auszug aus bpb (Bundeszentrale für politische Bildung)

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