Gedanken zum Islam
Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 04.11.2020, 10:32
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Glauben und Zweifeln
Auch in Deutschland wird es immer gefährlicher, den Islamismus zu kritisieren, sagt der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide. Er warnt : Politik und Medien verharmlosen das Problem. Die Islamisten spielen mit den Gefühlen junger Muslime.
Um zum Islamhasser erklärt zu werden, genügt es schon, den Islamismus zu kritisieren - das habe ich als Professor für islamische Religionspädagogik in Münster selbst erlebt, nur weil ich eine Reform des Islams für möglich und nötig halte. Ungleich riskanter wird es, wenn man die Meinungsfreiheit so verteidigt, wie es der französische Lehrer Samuel Paty tat. Nicht allen, die ihn zunächst verbal attackierten, dürfte bewusst gewesen sein, dass sie dabei der Rhetorik des politischen Islams folgten, der in gebetsmühlenartigen Wiederholungen den Westen als Gegner aller Muslime verdammt. Nach dem Motto : "Die Kreuzzüge gehen weiter".
Gegen den französischen Lehrer Samuel Paty wurde gehetzt, weil er sich für die Werte der Aufklärung einsetzte. Seine grausame Enthauptung war nur möglich, weil der Vater einer Schülerin empörte Videos im Netz hochgeladen hatte, in denen er den Namen des Lehrers und der Schule veröffentlichte. Die Hetze war es, die den Attentäter Abdullah A. aufstachelte. Vor der Hetze sollten wir uns am meisten fürchten. Genau diese Hetze erleben liberale Muslime fast täglich in Deutschland.
Deshalb lautet meine Frage an den Innenminister : Wer schützt liberale Muslime, die die Demokratie und die Menschenrechte verteidigen ? Wir wollen keine Helden sein, sondern freie Bürger. Ist das nicht eine Selbstverständlichkeit ?
Ich wünsche mir einen politischen Konsens, dass selbstkritische Muslime keine Islamhasser sind. Deshalb warne ich davor, Muslime und Nichtmuslime als Feinde anzusehen, so wie der politische Islam es tut. Und ich warne davor, Hetze gegen liberale Muslime als innermuslimische Angelegenheit zu betrachten.
Wir sollten nicht länger zulassen, dass identitäres Denken unser Land spaltet. Nicht die Zugehörigkeit zu einer Religion, einer Nation, einer Ethnie ist entscheidend. Sondern unser Verhältnis zueinander : Tolerieren oder diskriminieren wie andere ? Dulden oder bekämpfen wir Diskriminierung ?
Ich hätte mir einen Expertenkreis gegen Menschenfeindlichkeit und nicht allein gegen Muslimfeindlichkeit gewünscht.
Auszug eines Artikels DIE ZEIT Nr. 45