Henry Kissinger ist tot
Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 30.11.2023, 13:53
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Der aus Fürth in Deutschland stammende Pendeldiplomat ist nun im Alter von 100 Jahren gestorben. Die einen haben ihn bewundert, wie unser ehemaliger Bundeskanzler Helmut Schmidt, der mit ihm viele Jahre eng befreundet war zum Beispiel, aber andere lehnten ihn ab oder haben ihn sogar verachtet.
Seine politische Karriere begann in den siebziger Jahren, als der damalige Präsident Richard Nixon den Harvard Absolventen, der schnell in der akademischen Laufbahn aufgestiegen war, zu sich nach Washington ins Weiße Haus holte. Unter Nixon und dann auch unter seinem Nachfolger Gerald Ford, bei dem er US-Außenminister wurde, machte er sich als Pendel Diplomat einen Namen und wurde an vielem zum Organisator, was nach Meinung vieler Menschen in der Welt den Ruf der USA als Demokratie anhaltend beschädigte. Seine Politik in Chile, wo er die Opposition unterstützte, den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende zu stürzen (der dabei zu Tode kam) oder die Invasion in Osttimor wurde als Unterstützung autoritärer Regime auf Kosten demokratischer Werte kritisiert.
Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung blieb Henry Kissinger weiterhin eine maßgebende Stimme in internationalen Angelegenheiten. Von seiner Firma Kissinger Associates profitierten weltweit führende Politiker und Unternehmen, und seine Essays beeinflussten weiterhin politische Debatten.
Man kann es nicht leugnen, sein Vermächtnis polarisiert. Er wurde und wird wegen seines strategischen Scharfsinns und seiner diplomatischen Durchbrüche bewundert, aber auch für seine ethischen Kompromisse und die daraus resultierenden Konsequenzen für viele Menschenleben kritisiert. Seine Rolle beim Putsch in Chile und bei den Bombenangriffen in Südostasien hat das moralische Dilemma seiner Außenpolitik deutlich gemacht.
Seine Strategien, die sich durch eine Mischung aus Realismus und Machtpolitik auszeichnen, beeinflussen weiterhin das diplomatische Denken, auch wenn die Welt vor den Herausforderungen eines multipolaren Zeitalters steht. Henry Kissinger hinterlässt ein Vermächtnis, das auch in den kommenden Jahren für Diskussionen sorgen wird.
Er war ein Machtmensch und exzellenter Selbstdarsteller. Er hat in seiner politischen Karriere natürlich auch etliche Fehler gemacht. Wer aber kann schon von sich behaupten, fehlerlos zu sein?
Als verfolgter Jude in Deutschland geboren, wurde er zu einem amerikanischen Patrioten, der tiefe Spuren im Buch der Geschichte hinterlassen hat.