Ist das der richtige Weg?
Von ehemaliges Mitglied Samstag 01.06.2024, 11:39
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Als ich meinen letzten Beitrag – respektloser Umgang – postete, war ich sehr überrascht, so gründlich missverstanden zu werden.
Um deutlich zu machen, was gemeint ist, ist es unumgänglich, einen kurzen Blick in die Vergangenheit zu werfen.
Mir ist natürlich bekannt, dass es viele Menschen gibt, die glauben, dass so etwas lediglich das Verhalten von alten Menschen sei, die nicht mehr mit der Gegenwart zurechtkommen. Dabei handelt es sich aber um einen gewaltigen Irrtum.
Nur ein Blick zurück stellt uns einen realistischen Zusammenhang zum jetzt her.
Die meisten von uns Senioren können sich sicher noch an unser Leben nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erinnern. Unser Deutschland war nicht nur total zerstört, man sprach von der Stunde Null und alle glaubten, dass es niemals wieder sowas wie Normalität geben würde. Wir Deutschen hatten den Respekt der gesamten Weltbevölkerung verloren. Alle rechneten damals damit, dass wir allein auf uns selbst gestellt für den Aufbau unseres Landes mindestens 30-40 Jahre brauchen würden.
Es kam dann aber doch anders, wie wir alle wissen. Jedenfalls für die Menschen im westlichen Teil unseres Landes.
Die Allianz zwischen den USA und der Sowjetunion wurde aufgekündigt; es begann der kalte Krieg. Amerika, das sich vor dem siebenten Dezember 1941 noch geweigert hatte, aktiv an den europäischen Auseinandersetzungen teilzunehmen, trat in den Zweiten Weltkrieg ein und stellte die Produktion auf Rüstungsgüter um. Die ideologischen Gegner dieses Landes waren von den Produktionskapazitäten mehr als beeindruckt. Profitierten dann aber gern von dem, was ihnen geschickt wurde.
Nicht anders war es bei uns in Westdeutschland. Das Wirtschaftswunder, wie wir es nannten, wurde nicht vom Finanzminister Ludwig Erhard vollbracht. Es war nur durch das Hilfsprogramm der USA, das nach dem damaligen Außenminister George C. Marshall, der Marshallplan genannt wurde, für die europäischen Staaten möglich.
In der Zeit von 1948 bis 1952 wurden Hilfen im Wert von ca. 13,12 Milliarden $ (nach heutigem Wert 133,95 Milliarden $) an viele westeuropäische Staaten gegeben.
Unter den am Programm teilnehmenden Staaten befanden sich neben den im Zweiten Weltkrieg mit den USA verbündeten Staaten wie Großbritannien, Frankreich und den Beneluxländern auch die Kriegsgegner Bundesrepublik Deutschland und Österreich.
Den mittel- und osteuropäischen Staaten und der Sowjetunion wurden die Hilfen ebenfalls angeboten. Allerdings zog sich die Sowjetunion bald aus den Verhandlungen zurück und verbot den unter ihrem Einfluss stehenden europäischen Staaten die Teilnahme.
Aufgrund dieser Unterstützung war es unserem damaligen Finanzminister Ludwig Erhard ein Leichtes, den Wiederaufbau zu kanalisieren und sich darin zu sonnen, von den Westdeutschen als Retter des Vaterlandes gefeiert zu werden.
Das erklärt auch, warum er ein so überzeugter Verfechter der freien Marktwirtschaft war, die dann später zur Globalisierung der Weltwirtschaft führte.
Was ich persönlich für die Wurzel allen jetzigen Übels ansehe.
Ein Zitat von Werner Fink macht deutlich, was ich meine.
„Es gab einmal ein Zeitalter, es war das Griechische, da war der Mensch das Maß aller Dinge. Heute sind die Dinge das Maß aller Menschen.“
@Fotograf54 hat es in Politik-Diskussionen, ohne das Problem wirklich beim Namen zu nennen, auf den Punkt gebracht.
Ich zitiere:
Es ist einfacher Du ..... als Sie...... zu sagen.
Ich hatte an meiner letzten Arbeitsstätte auch das Erlebnis, ein Neuer Betriebsleiter wurde uns vorgestellt, gleich mit Vornamen und wir - in unserer Abteilung - haben uns gesträubt.
Mittlerweile nach ca. 4 Jahren arbeiten von 120 ehemaligen keine 10 Kollegen noch dort.
Sicher nicht nur wegen dem Du aber das Klima hat sich massiv geändert.
Dieser Wandel ist schon schade.
Das hat schon was mit Respekt zu tun. Zitat Ende
Bleibt mir nur noch, den Zusammenhang zwischen freier Marktwirtschaft, Globalisierung, Wirtschaft und Politik zu erklären.
Die CDU/CSU ist bis heute davon überzeugt, dass sich die Politik so wenig wie möglich in die Wirtschaft einmischen sollte, denn sie glaubt, dass sich dann durch die staatserhaltende Wirtschaft alle Probleme von selbst lösen.
Inzwischen sollte aber, selbst dem letzten Hinterbänkler im Parlament, ins Bewusstsein gedrungen sein, dass diese Annahme nichtzutreffend ist. Das zu erkennen, sollte eigentlich schon immer jedem Politiker klar gewesen sein. Denn eine gewählte Regierung ist dem Volk verpflichtet. Jeder Politiker schwört darauf seinen Amtseid.
Die Wirtschaft dagegen ist lediglich ihren Aktionären verpflichtet und die sind, genau wie die Wirtschaftsbosse selbst, lediglich an Gewinnmaximierung interessiert. Ihre Verantwortung für das Wohlergehen des Staates oder an den in ihren Produktionsstätten tätigen Menschen tangiert diese Leute nicht mal peripher. Sie halten mit leeren Versprechungen ihre Mitarbeiter so lange bei der Stange, bis unterschriebene Verträge Ihnen die Möglichkeit geben, sie zu entlassen.
Buddha hat das einmal in folgende Worte gekleidet:
„So wie der Acker verdorben wird durch Unkraut, wird der Mensch verdorben durch seine Gier.“