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Meine Flower-Power Zeit

Von ehemaliges Mitglied Dienstag 26.11.2024, 11:06

Zur Einstimmung in die Zeit der Sechzigerjahre hört euch vielleicht zuerst einmal die Bee Gees an.


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Sicher fiel das, was ich damals in West-Berlin erlebte, etwas intensiver aus als das, was jemandem begegnete, der in Hengasch im Sauerland oder in Oldersum in Ostfriesland zu Hause war.

Im Westen von Berlin gab es keine Sperrstunde. Dieser Teil der Stadt war durchgehend geöffnet und am Kurfürstendamm tanzte so zu sagen der Bär.

Die Macht der Blumen war ein Schlagwort, das der amerikanische Beat-Poet Allen Ginsberg prägte, um Kriegsproteste in friedliche, affirmative Spektakel zu verwandeln. Die Hippies übernahmen die Symbolik, indem sie Kleidung mit bestickten Blumen und lebendigen Farben trugen, Blumen ins Haar steckten und Blumen an die Öffentlichkeit verteilten und dadurch als „Blumenkinder“ bekannt wurden.

Das ikonische Zentrum der Flower-Power-Bewegung war das Viertel Haight-Ashbury in San Francisco, Kalifornien. Mitte der 1960er Jahre war die Gegend, die durch die Kreuzung der Straßen Haight und Ashbury gekennzeichnet war, zu einem Schwerpunkt für psychedelische Rockmusik geworden.

Ich war damals als Taxifahrer nachts in der Stadt unterwegs. Steckte mir zwar keine Blumen ins Haar (dafür war meine Frisur zu kurz), aber auch ich war hippiemäßig gekleidet. Vielleicht nur deswegen, damit ich mit den amerikanischen Soldaten, die ich zurück in ihre Kasernen fuhr, Gesprächsstoff hatte. Durch die ständigen Berichte im Fernsehen über die Bombardierungen in Vietnam hatte sich meine Einstellung zu meinem, von mir so verehrten Amerika, grundlegend verändert. Und so gab es in meiner Droschke häufig kontroverse Diskussionen.

Das geschah aber leider größtenteils mit weißen US-Amerikanern. Die hatten zwar auch eine negative Einstellung zum Vietnamkrieg, denn sie wollten nur in ihrer Garnison in Berlin bleiben und nicht in das asiatische Land geschickt werden. Eine dezidierte politische Meinung hatten die meisten von ihnen nicht.

Dennoch waren sie davon überzeugt, dass der Viet Cong, wegen des Angriffs auf US-Marineschiffe im Golf von Tonkin bestraft werden müsse.

Niemand von uns wusste damals, dass diese Meldungen eine Lüge von Lyndon B. Johnson waren, um noch mehr Truppen dorthin schicken zu können.

Das war auch einer der Gründe, warum es einen stetigen Anstieg der Antikriegsbewegungen gab. Die gab es zwar schon seit den frühen 1960er Jahren, ihre Mitglieder beschränkten sich jedoch größtenteils auf Universitätsstudenten, radikale politische Gruppen und einige Kirchen. Bis 1967 schlossen sich einige hochkarätige Persönlichkeiten an, darunter Prominente und Intellektuelle.

Im März 1967 unterzeichneten fast 6,800 Akademiker und Lehrer eine dreiseitige Anzeige in der New York Times, verurteilte den Krieg und forderte einen sofortigen amerikanischen Rückzug aus Vietnam. Zu den anderen bemerkenswerten Persönlichkeiten, die sich öffentlich gegen den Krieg aussprachen, gehörten die Philosophen Bertrand Russell und Jean-Paul Satre, der behauptete, die USA hätten in Bezug auf Vietnam gegen das Völker- und Menschenrechtsgesetz verstoßen. 1967 organisierten und beriefen Russell und Satre in Schweden ein hypothetisches "Kriegsverbrechertribunal", in dem die amerikanische Politik und die mutmaßlichen Kriegsverbrechen in Vietnam "vor Gericht gestellt" wurden. Die US-Regierung ignorierte dieses Verfahren.

Martin Luther King, der seit 1965 ein lautstarker Kritiker des Krieges war, argumentierte, dass das amerikanische Engagement in Vietnam ein Akt des Neokolonialismus sei und dass die Milliarden, die in den Krieg fließen, besser für soziale Dienste für gewöhnliche Amerikaner ausgegeben werden sollten. Im April 1967 hielt King eine Rede mit dem Titel "Beyond Vietnam", in der er eine spirituelle und moralische Infragestellung der amerikanischen Außen- und Innenpolitik forderte.

Schwergewichts-Boxer Muhammad Ali (geb. Cassius Clay) war auch ein ausgesprochener Kritiker des Vietnamkrieges. Ali war zum Islam konvertiert, hatte sich zum Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen erklärt und den Militärdienst verweigert. Er tat dies mit charakteristischer Offenheit und kündigte an, dass er „nicht 10,000 Meilen gehen würde, um zu helfen, Menschen zu ermorden und zu verbrennen, nur um die Herrschaft der weißen Sklavenmeister über dunkle Menschen auf der ganzen Welt fortzusetzen“. Alis Weigerung, eingezogen zu werden, führte zu einer strafrechtlichen Verurteilung und einer fünfjährigen Haftstrafe, die jedoch später vom Obersten Gerichtshof der USA aufgehoben wurde.

Zahlreiche Wissenschaftler, Intellektuelle, Schriftsteller, Schauspieler und Musiker kritisierten den Krieg sowohl in ihren öffentlichen Äußerungen als auch in ihrer Kunst. Unter diesen lautstarken Kritikern des Vietnamkrieges waren Joan Baez, Noam Chomsky, Judy Collins, Bob Dylan, John Fogerty, Jane Fonda, Allen Ginsberg, Charlton Heston, Albert Kahn, Norman Mailer, Joni Mitchell, Carl Sagan, Susan Sontag, Benjamin Spock, Donald Sutherland und Howard Zinn.

All diese Ereignisse haben aus mir zwar keinen Feind der Amerikaner, aber einen Freund gemacht, der sich das Recht herausnahm, die Handlungsweise seines Freundes kritischer zu beurteilen.

Was für mich persönlich aber zu der Zeit am zentralsten war, war die sexuelle Freizügigkeit, die damals herrschte.

Don't make love a war, war das Schlagwort jener Zeit, das uns junge Menschen näherbrachte. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich oft mein eingenommenes Trinkgeld wieder dafür verwandte, damit mein Chef nicht mitbekam, dass ich öfter mal meine Energie meiner Libido widmete, als Fahrgäste zu transportieren.

Ja, es war eine in jeder Beziehung anregende und aufregende Zeit.

An die ich mich gerne zurückerinnere …

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