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So ist das Leben

Von ehemaliges Mitglied Samstag 07.09.2024, 06:25

Als ich gestern, in meinem Beitrag – der Sinn des Lebens –von der Möglichkeit den eigenen Charakter zu verändern sprach, und von einer FA Freundin ihre Ansichten über dieses Thema gelesen hatte, beschäftigte ich mich auch später noch intensiv mit diesen Gedanken.

Manchmal kann es dann passieren, dass sie sich in meinem Traum wiederfinden und ich dann, unter Umständen, zu völlig neuen Erkenntnissen komme.

Genau das ist heute Morgen geschehen.

Ich antwortete ihr zwar, dass man natürlich den eigenen Charakter nicht völlig verändern kann, der an dieser Frage gekoppelte Kausalzusammenhang wurde mir aber erst im Traum klar.

Wenn wir alle unseren eigenen Charakter zu 100 % verändern könnten, gäbe es die Diskrepanz zwischen Ost und Westdeutschland überhaupt nicht.

Da aber die Bürger 40 Jahre lang in unterschiedlichen Systemen sozialisiert wurden, ihre politischen und menschlichen Ausrichtungen also unterschiedlich sind, verhalten sich alle genauso, wie sie es gelernt haben. Die meisten von ihnen denken nicht einmal darüber nach, warum sie es noch immer so tun.

Aus eigener Erfahrung kann ich ein Beispiel anführen, das verdeutlicht, wie soziale Prägungen Menschen formen.

1992 lernte ich eine Frau kennen, deren Vorfahren zurzeit der russischen Kaiserin Katharina der Großen nach Russland ausgewandert waren und von ihr an der Wolga angesiedelt wurden.

Ihr Vater war Traktorist auf einer Kolchose im Kasachstan, ihre Mutter war Hausfrau und Analphabetin. Ihre ganze Familie war dem Aufruf von Helmut Kohl gefolgt, sich nach Deutschland umsiedeln zu lassen.

Sie legten großen Wert darauf, Deutsche zu sein, und begründeten diesen Wunsch nicht etwa mit geschichtlichen Tatsachen, sondern einzig und allein, weil sie die deutsche Sprache beherrschten.

Nach ihren Riten und Gebräuchen beurteilt, waren sie aber Russen. Wie könnte es auch anders sein, nach fast 200-jähriger Sozialprägung wurden sie zu Russen und es war ihnen selbstverständlich unmöglich, lediglich aufgrund der Tatsache, dass Helmut Kohl sie als deutsche ansprach, plötzlich keine Russen mehr zu sein.

Genau das gleiche Problem haben West bzw. Ostdeutsch sozialisierte Mitbürger.

Sie können ihre Sozialisierung nicht einfach wechseln wie ein Unterhemd. Natürlich gibt es auf beiden Seiten Menschen, die nach 35 Jahren gemeinsamen Lebens dazu in der Lage sind. Nicht zuletzt deswegen, weil sie sich selbst durch Nachdenken dazu bereit gemacht haben.

Leider lehnt die Mehrheit, auch auf beiden Seiten, diese Möglichkeit aus Bequemlichkeit ab.

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