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Steht der Faschismus vor der Tür?

Von ehemaliges Mitglied Dienstag 01.10.2024, 10:32

Seit die AfD im Osten die stärkste Partei ist, plagt die Deutschen wieder ein Albtraum: Der Faschismus steht vor der Tür.

Erinnern die Verhältnisse heute an die Endphase der Weimarer Republik? Ist Höcke der Enkel der Enkel von Hitler, der, einmal an der Macht, diese nicht mehr preisgibt und die verfassungsmäßige Ordnung aushebelt?

Die ZDF-Chefredaktorin Bettina Schausten verglich den Wahlsieg Höckes mit Hitlers Überfall auf Polen. Der mit einer Zwangsabgabe finanzierte und daher zur Ausgewogenheit verpflichtete Sender begibt sich auf das Niveau von Fake News und Geschichtsfälschung.


Die historischen Fakten vermitteln ein anderes Bild. Die erste deutsche Demokratie hatte nie die Chance auf Stabilität. Sie trug den Geburtsmakel des Versailler Vertrags, der Deutschland Kriegsschuld, Gebietsabtretungen und Reparationen aufbürdete. Der Erste Weltkrieg radierte nicht nur ganze Geburtsjahrgänge aus. Die Gewalterfahrung der «Stahlgewitter» ließ auch die Überlebenden traumatisiert zurück.


Wer noch kein Nationalist war, wurde einer – oder fand Halt beim anderen Extrem, den Kommunisten. Es war eine Demokratie ohne Demokraten, die einen kaiserlichen Feldmarschall zu ihrem Präsidenten wählte. Ihre Richter und Beamten waren reaktionär und taten alles, um den Staat zu unterhöhlen, auf den sie vereidigt waren. Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise gaben dem schwächlichen Gebilde den Rest.


Man sollte dem AfD-Rabauken die Luft rauslassen


Man muss schon ein Deutschland-Hasser sein, um in dieser Beschreibung die Gegenwart nur ansatzweise wiederzuerkennen. Obwohl es wirtschaftlich derzeit nicht rundläuft, ist das Land eine saturierte Wohlstandsrepublik – und ein Sozialstaat, der es sich leisten kann, die Hälfte des Bürgergelds an Ausländer zu verschenken.


Die zweite deutsche Republik ist eine Erfolgsgeschichte mit starken Institutionen, Gewaltenteilung und einem leidlich funktionierenden Föderalismus. Die Republik ertrüge es, wenn in Thüringen eine Partei mit einem rechtsextremistischen Flügel den Ministerpräsidenten stellte. Ministerpräsident Höcke, na und?

Eine Demokratie, die es nicht aushält, wenn auch einmal zweifelhafte Gesellen die Regierung bilden, ist keine. Die letzten acht Jahrzehnte hätten sich dann als Illusion erwiesen, als simulierte Volksherrschaft. Immerhin 80 Prozent der Deutschen wählen keine AfD. Dieser Mehrheit nicht zuzutrauen, mit der Herausforderung fertigzuwerden, hieße, an der Fähigkeit der Deutschen zur Demokratie zu zweifeln.


Aber vielleicht ist genau dies das eigentliche Problem: die Herablassung, mit der man in Parteizentralen und Redaktionsstuben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf das gemeine Volk herabblickt; die selbstverständliche Annahme, dass zwei Millionen dumme Ossis tatenlos zuschauen würden, wie man ihre Rechte einschränkt.


Die Vorstellung, ein Höcke könne wie Hitler die Republik zu Fall bringen, ist so absurd, dass man an der Zurechnungsfähigkeit der kommentierenden Klasse zweifelt. Wenn die kollektive Hysterie wütet, muss man sich verweigern. Auch das ist Zivilcourage.


Nichts wäre entlarvender als eine von Sahra Wagenknecht geduldete Minderheitsregierung der AfD in Thüringen. Den Phrasen würde die Luft herausgelassen. Schnell erwiese sich Höckes Widerstandsgestus als Popanz.

Oder fürchtet man, dass er ganz passabel und vor allem: populär regieren könnte? Dann wäre nicht der Populist das Problem, sondern die etablierten Parteien und ihre Unfähigkeit, den Zeitgeist in attraktive Politik zu verwandeln.

Frei nach Eric Gujer NZZ

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