Trump macht was er will
Von ehemaliges Mitglied 09.02.2020, 18:29
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Wie gefährlich ist die Wahrheit ?
Offensichtlich macht Trump was er will ! Ist er unangreifbar ?
Diese Männer haben die Geschäfte von Donald Trump durchleuchtet. Dafür zahlen sie einen hohen Preis.
Auf eines konnte sich Glenn Simpson immer verlassen. Egal was passierte, seine Ermittlungsfirma Fusion GPS blieb im Hintergrund. Dann kam der 10. Januar 2017 und aus Simpson wurde ein persönlicher Feind von Donald Trump. Der Grund: Zu diesem Zeitpunkt wurden seine Recherchen über den heutigen US-Präsidenten öffentlicher, als Simpson sich jemals hatte vorstellen können.
Simpsons Firma war der Spur von Trumps Geld gefolgt. Er ließ von einem ehemaligen britischen Geheimagenten ein Dossier erstellen. An jenem 10. Januar veröffentlichte das Internetportal Buzzfeed das abfotografierte Dossier. Darin wurden Trump und seinen Vertrauten enge Beziehungen zu Russland unterstellt. Berühmt wurde es wegen eines pikanten Details. Trump habe in einem Moskauer Hotel Prostituierte auf ein Bett pinkeln lassen, auf dem Präsident und Mrs. OBAMA übernachtet haben (die er hasst) !
Simpson hatte die Kontrolle über sein Material verloren. Zuerst meldete es die New York Times, dann stand es überall.
Sie jagten dem Geld von Donald Trum hinterher und wurden am Ende selbst gejagt.
Simpson hat seine Geschichte mit seinem Geschäftspartner Peter Fritsch in einem Buch veröffentlicht. (Crime in Progess). In dem Buch beschreiben die beiden, wie sie bei der Recherche zu den Immobiliendeals von Trump plötzlich in einer Welt der Agenten und Geheimdienste landeten. Wie sie auf immer mehr Geld aus Russland in Trump-Projekten stießen und sich der Verdacht erhärtete, Putin könnte Trump beeinflussen.
Dabei hat die Fusion GPS zunächst für Republikaner gearbeitet, die Trump als Präsidenten verhindern wollten. So wurde eine Internet-Publikation ihr Kunde, die von dem Hedgefonds-Milliardär Paul Singer finanziert wird. Singer ist in Deutschland an Bayer, Thyssenkrupp und Uniper beteiligt, in den USA ist er ein Großspender der Republikaner. Der Auftrag damals : Sagt uns, wer Trump ist. Der Lohn: 50.000 Dollar im Monat.
So spürte Simpson auch Trump nach. Beispielhaft kann man seine Recherche am New Yorker Tower beschreiben. Hauptquartier des Imperiums. Kein Gebäude verkörpert eindrücklicher Trumps Ehrgeiz. Viel Gold und Glas wurden darin verarbeitet, prunkvoll sollte es sein - und möglichst billig. 200 polnische Bauarbeiter erhielten bei den Arbeiten im Jahr 1980 noch nicht mal den Tariflohn, wie Simpson in Gerichtsakten entdeckte. Am Ende kam es zum Vergleich. Trump zahlte 1,4 Millionen Dollar.
Der Trump Tower steckt voller Geschichten, meist handeln sie von Russen. Da ist etwa der russische Gangster, der 1984 fünf Appartements kaufte, die später von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurden, wegen Geldwäsche. Und da ist der aus Russland stammende Aktienhändler, der wegen Körperverletzung im Gefändnis saß und 1998 mit einem Komplizen einen Millionen Betrug anzettelte. Auf seiner Visitenkarte stand : Senior Berater von Donald J. Trump.
Simpson hat jahrelang als Investigativreporter beim Wall Street Journal gearbeitet. Schwerpunkt : Oligarchen, Osteuropa, Korruption, Terrorismus. Je tiefer Simpson bei Trump in die Handelsregister und Klageschriften vorstieß, desto mehr Hinweise auf russisches Geld fand er. Richtig misstrauisch wurde er aber erst, als Trumps politischer Berater Paul Manafort auftauchte. Der hatte in den Jahren davor für den damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch gearbeitet, einen Verbündeten des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Wir kamen da mit unseren Mitteln allein nicht weiter, sagte Simpson. Er rief über eine Verschlüsselungs-App bei Christopher Steele in London an. Steele war als Undergover Agent für den britischen Auslandsgeheimdienst M16 in Russland tätig gewesen. 2009 gründete mit seinem M16-Kollegen Chris Burrows die Firma Orbis Business Intelligence. Steele hat in Russland ein Netz von Kontakten, die sich für ihn umhören.
Burrows beantwortete die Fragen der ZEIT.
Company Intelligence Report 2016/080 : "Das russische Regime hat Trump in den vergangenen 5 Jahren gepflegt, unterstützt und ihm assistiert. Ziel von Putin sei es, die westliche Allianz zu schwächen - und Putin könnte Trump in der Hand haben. " Einige russische Unternehmer würden Putin n US-Angelegenheiten beraten. Die Trump Mitarbeiter Michael Cohen, Paul Manafort und Carter Page pflegten enge Kontakte zu russischen Regierungsmitarbeitern. Hacker hätten im Auftrag des Kreml die E-Mails der Demokraten und der Rivalin Hillary Clinton gehackt.
Als die Informationen plötzlich publik wurden, fürchtete Steele um sein Leben und um das seiner Quellen. Er tauchte unter. Derweil warnte das FBI Simpson, er stehe auf der Liste des Attentäters Cesar Sayoc, der Rohrbomben an 13 weitere Trump-Kritiker geschickt hatte. Auf Twitter wurde die Adresse seines Büros gepostet. Doch es fing erst an. Der frühere FBI Direktor Robert Mueller begann zu ermitteln, ob Russland die US-Wahlen beeinflusst habe.
Am 22. August 2017 musste Simpson dann vor dem Rechtsausschuss des Senats aussagen.Insgesamt wurde er 21 Stunden befragt. Wie lief es ? "So gut, dass die Republikaner das Protokoll nicht rausrücken wollten !" Es ist inzwischen öffentlich. Zwei Millionen Dollar an Anwaltsgebühren hat Simpson und Fritsch die Arbeit zu Trump schon gekostet. Dabei sahen sie vieles richtig. Die undurchsichtigen Geschäftspraktiken von Trump, seine mitunter zweifelhaften Partner, die russischen Investoren. Und schon im August 2017 bestätigte das Offce of National Intelligence die Hauptthese des Dossiers. In einem Bericht heißt es : "Wir können mit großer Sicherheit sagen, dass der russische Präsident Putin im Jahr 2016 eine Einfluss-Kampagne bezüglich der US-Präsidentenwahlen befohlen hat."
2020 ist ein Wahljahr : Simpson und Fritsch machen weiter. Eine NGO, von wohlhabenden Amerikanern finanziert, bezahlt jetzt ihre Arbeit.
Auszug DIE ZEIT vom 6. Februar 2020