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Widerstand im Dritten Reich.

Von ehemaliges Mitglied 18.02.2024, 13:01

Wer vom Widerstand im Dritten Reich spricht, denkt in der Regel an Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 Hitler mit einer Bombe in dessen Hauptquartier Wolfsschanze im ostpreußischen Rastenburg töten wollte. Der ehemalige glühende Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie hatte mit anderen Stabsoffizieren erkannt, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war, wollte mit dem Unternehmen Walküre die Führungsspitzen des Regimes gefangen nehmen, eine neue Regierung einsetzen, um dann zusammen mit den Alliierten gegen den Bolschewismus zu kämpfen.

Aber es gab etliche Menschen im Dritten Reich, die bereit waren, ihr Leben und ihre Freiheit für die Beendigung der Hitler Diktatur einzusetzen.

Die jungen Menschen um die Geschwister Sophie und Hans Scholl zum Beispiel. Diese Gruppe, die später unter dem Namen „Weiße Rose“ bekannt wurde, rief in Flugblättern zum Widerstand auf. 1943 wurden die Mitglieder für ihre Aktion hingerichtet.

Der Film, in Liebe, Eure Hilde, der gerade in Berlin auf der Berlinale für Diskussionen sorgt, erzählt die Geschichte von Hans und Hilde Coppie, die beide Mitglieder der sogenannten "Rote Kapelle" waren. Eines der wichtigsten Widerstandsnetzwerke im Dritten Reich.

Im nationalen Gedenken der Bundesrepublik spielte sie trotzdem lange Zeit keine große Rolle. Am 22. Dezember jährt sich die Hinrichtung der Widerstandskämpfer zum 82. Mal.

Heute ist der Hinrichtungsraum im ehemaligen NS-Gefängnis in Berlin Plötzensee eine Gedenkstätte. Fast 3.000 Menschen ermordeten die Nazis hier in der Zeit des Nationalsozialismus. Elf von ihnen – führende Mitglieder der "Roten Kapelle" – wurden dort am 22. Dezember 1942, hingerichtet.

Die "Rote Kapelle" war keine geschlossene Widerstandsgruppe, sondern ein loses, eher informelles Netzwerk. Diesem gehörten bis zu 150 Frauen und Männer unterschiedlicher politischer Weltanschauung und gesellschaftlicher Herkunft an, die sich zunächst unabhängig voneinander in kleineren Gruppen und Freundeskreisen trafen und agierten.

Der Name "Rote Kapelle" stammte von den Nationalsozialisten selbst – zunächst ein Sammelbegriff der deutschen Militärabwehr für diverse Gruppen, die unter Verdacht standen, als Spione für den sowjetischen Nachrichtendienst zu arbeiten und einem westeuropäischen Spionagenetzwerk anzugehören. Später bezeichneten die Nazis mit "Roter Kapelle" auch verschiedene Linksintellektuelle Gruppen in Berlin.

Die Gruppen um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen wurde von den Nationalsozialisten diesem angeblichen Spionagenetzwerk wegen ihrer Kontaktaufnahme zur Sowjetunion zugeordnet.
Mitte der 1930er Jahre hatte sich um Arvid Harnack, seine Frau Mildred und um Harro Schulze-Boysen und seine Frau Libertas zunächst ein loser Kreis von mehreren Diskussionsgruppen gebildet.
Harro Schulze-Boysen war vor Beginn des Nationalsozialismus Publizist und seit 1934 Oberleutnant in der Nachrichtenabteilung des Reichsluftfahrtministeriums und hatte so auch Zugang zu kriegswichtigen Informationen.

Arvid Harnack war Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium. Er und seine Frau Mildred trafen sich mit Intellektuellen und Wissenschaftlern.

Zu ihnen gehörten der Bildhauer Kurt Schumacher, der 1942 ebenfalls in Plötzensee hingerichtet wurde und der Schriftsteller Günther Weisenborn. Hinzu kamen ein Kreis junger Kommunisten sowie eine Gruppe um den Schweizer Psychoanalytiker John Rittmeister und viele andere Nazi-Gegner – so etwa Adolf Grimme, Sozialdemokrat und Namensgeber des Grimme-Preises.

Erst zu Beginn der 1940er Jahre stellten Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen Kontakt zwischen den einzelnen Gruppen her.

Ab der 1940er Jahre hatten Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen Kontakt zum sowjetischen Nachrichtendienst in Berlin aufgenommen. Harnack und Schulze-Boysen sollen diesem Mitte 1941 konkrete Informationen über Angriffspläne Hitlers auf die zu dieser Zeit noch mit dem Deutschen Reich verbündete Sowjetunion übermittelt haben.

Am 22. Juni 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion ein.

Der sowjetische Staatschef Josef Stalin höchstpersönlich soll den Informationen nicht geglaubt und angenommen haben, dass es sich wieder um einen Versuch der deutschen Abwehr (im deutschen Sprachgebrauch seit 1920 die verbreitete Bezeichnung für den deutschen militärischen Geheimdienst in Reichswehr und Wehrmacht mit seinen Sparten (Geheimer Meldedienst, Diversion und (im Krieg) Kommandounternehmen sowie die eigentliche Abwehr von Spionage und Sabotage) handelte um die Sowjetunion zu destabilisieren.

Im Juli 1942 wurde ein verschlüsselter Funkspruch des sowjetischen Militärgeheimdienstes GRU vom 26. August 1941 von Moskau nach Brüssel durch die Gestapo dechiffriert, in dem neben Schulze-Boysens Name auch seine Adresse stand.

Dies führte zur Entdeckung und Verhaftung des „Schulze-Boysen/Harnack-Kreises“ und zur Hinrichtung zahlreicher ihrer Mitglieder.

Das war die Retourkutsche des Diktators Josef Stalin an den deutschen Militärgeheimdienst. Dieser hatte schon 1937 mit seiner Verleugnungskampagne gegen Marshall Tuchaschewski Stalin dazu veranlasst mit vielen Todesurteilen die Armeeführung derart zu schwächen, dass sie beim Angriff der deutschen Wehrmacht praktisch führungslos war.

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