Aus und Amen !
Von ehemaliges Mitglied Freitag 12.02.2021, 11:35
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Schluss. Aus. Amen !
Als klerikale Parallelgesellschaft passt die katholische Kirche nicht zur liberalen Demokratie. Der Staat darf nicht länger wegschauen.
Von der katholischen Kirche ist man ja einiges an Skandalen gewohnt, aber dieser hat Folgen wie keiner zuvor : Weil der Kölner Erzbischof Rainer Waria Woelki sich seit Wochen weigert, ein Gutachten über sexuellen Missbrauch in seinem Bistum zu veröffentlichen, weil er Betroffene getäuscht, Versprechen gebrochen, Kritikern mit Disziplinierung gedroht und in zwei Fällen sogar selbst Täter geschützt haben soll, treten gerade so viele Katholiken in der Domstadt aus der Kirche aus, dass das zuständige Amtsgericht überfordert ist.
Und der Kölner Kardinal ? Er gibt in einer Mischung aus Unbeholfenheit und Halsstarrigkeit bekannt :
"Alles sei korrekt gelaufen, von kleineren Fehlern abgesehen".
Da fragt sich der Katholik wie der Kirchferne: Was erlaubt sich nicht nur dieser Mann, sondern auch diese Institution ?
Wie ein Anachronismus aus vordemokratischer Zeit wirkt der institutionelle Katholizismus heute in einer Umgebung, die sich so rasend schnell säkularisiert, liberalisiert und individualisiert hat, dass selbst ideologisch wendigere Institutionen wie die CDU die Welt nicht mehr verstehen. Kurz : Auf immer mehr Menschen wirkt die katholische Kirche wie ein Staat im Staate, wie eine Parallelgesellschaft. Und ist sie nicht tatsächlich eine ?
Treffend und naheliegend ist der Vergleich allerdings, wenn man mit Parallelgesellschaft die Amtskirche meint, diesen Club klerikaler Männer mit seinem chauvinistischen Korpsgeist und seinem Standesdünkel, seinen Weihen und Initiationsriten, seiner Zeitgeistskepsis und dem Selbstverständnis, als Bischof nur Gott und dem Papst gegenüber rechenschaftspflichtig zu sein.
Der Staat akzeptiert dieses Selbstbild der Kirche nicht nur, sondern räumt ihr auch noch eine politische und rechtliche Vorzugsbehandlung ein.
Und der Staat ? Gibt sich noch immer so, als ginge ihn das Ganze nichts an und überlässt die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals der Kirche. Noch immer gingen die Aufklärungsbemühungen der Kirche einher mit Abwehr der staatlichen Organe. "Das ist in einem Rechtsstaat nicht akzeptabel".
Immerhin der Münchner Erzbischof Reinhard Marx und der Limburger Bischof Georg Bätzing haben mittlerweile begriffen, dass das Verhalten ihres Kölner Mitbruders nicht unkommentiert bleiben kann. Sie kritisierten Woelki zuletzt heftig, sprachen von einem "Desaster" und einer "außerordentlich negativen Wirkung".
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Das ist nur ein Teil (Auszug) aus dem Artikel von R. Löbbert, Mitglied der Chefredaktion der ZEIT/Christ u. Welt. Er ist selbst Katholik.
Ausführlich nachzulesen DIE ZEIT Nr. 7 vom 11. Februar 2021