Darf man Tiere wie Dinge behandeln ?
Von ehemaliges Mitglied Dienstag 02.02.2021, 18:27
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Macht euch die Erde untertan, heißt es in der Bibel. Kein Freibrief für den Menschen !
Dass Tieren jede Spielart von Gewalt, Heimtücke und Verrat zuzurechnen sei, hat sich tief in die menschlichen Vorstellungen eingeprägt. Sie seien falsch wie die Schlange, triebhaft wie Esel, böse wie Hunde, gefräßig wie Motten, schmutzig wie Schweine, gierig wie Wölfe. Manch ähnliche Assoziation findet sich schon in der Bibel. Schweine und Hunde gelten als unrein und Skorpione als Geißeln der Menschheit.
Genau betrachtet übertrifft aber nur eine Spezies alle anderen an Tücke und Gewalt : Der Mensch.
Er verzweckt Tiere zur Produktion von Billigfleisch, verdrängt Tierarten und rottet sie aus. Riesige Monokulturen, Massentierhaltung, industrielle Großschlachtung zählen heute zu den besonders abstoßenden Seiten des Umgangs mit der Tier- und Pflanzenwelt. Alles unausweichlich ? Der Mensch müsse sich ernähren, heißt es entschuldigend.
Die Bibel habe dem Menschen sogar den Auftrag erteilt, sich die Welt mitsamt ihren Tieren untertan und nutzbar zu machen.
Was in der Bibel steht, läßt sich allerdings auch anders lesen. Tier und Mensch sind nicht nur aus der Sicht der Evolutionslehre verwandt. Sie gehen auch nach biblischer Vorstellung auf denselben göttlichen Schöpfungsplan zurück.
Ja, die Bibel sagt, der Mensch solle sich die Tiere untertan machen. Aber dabei soll er sich ihnen gegenüber verhalten wie ein Hirt gegenüber seiner Herde : fürsorglich bewahrend. Gott schuf die Tiere, damit der Mensch nicht allein sei, erzählt das 1. Buch Mose 2.18. Das Ruhegebot am Sabbat gilt für den ganzen Hausstand mitsamt den Tieren (2. Buch Mose 20, 10) Demnach sind Tiere keine gewöhnlichen Sachwerte - auch wenn das deutsche Strafrecht (anders als das bürgerliche Gesetzbuch) sie bei Diebstahl oder Beschädigung noch als Sache behandelt.
Konsequenter Tierschutz ist kein Nischethema für Träumer. Es ist ein Gradmesser dafür, wie Menschen mit sich selbst und untereinander umgehen. Gott hat die Tiere nicht der Willkür der Menschen übergeben, sondern in ihre Obhut. Ein religiöses Leitbild für das, worauf Menschen hoffen und hinarbeiten sollen.
Auszug Artikel Religion chrismon von Eduard Kopp Februar 2021