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Wie es sich so trifft II

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 16.10.2025, 10:18

Das Märchen von den Kugelmenschen

Vor langer Zeit sahen die Menschen ganz anders aus als heute. Sie waren rund wie Kugeln, mit vier Armen, vier Beinen und zwei Gesichtern, die in entgegengesetzte Richtungen blickten. Diese Kugelmenschen konnten sich schnell bewegen, indem sie sich wie Räder rollten. Es gab drei Geschlechter: männlich, weiblich und androgyn – also halb Mann, halb Frau.

Sie waren stark und mutig, aber auch übermütig. In ihrem Stolz wagten sie es, die Götter herauszufordern und zum Himmel hinaufzusteigen. Da beschlossen die Götter, angeführt von Zeus, die Menschen zu bestrafen, sie aber nicht ganz zu vernichten, weil sie weiterhin ihre Opfergaben schätzten. Zeus spaltete also jeden Kugelmenschen in zwei Hälften, um sie zu schwächen. So entstanden die heutigen Menschen: zweiarmig, zweibeinig – und unvollständig.



Apollon heilte die Wunden und drehte das Gesicht so, dass der Mensch fortan seine alte Trennung nie vergessen würde. Als Erinnerung blieb der Nabel. Doch die geteilten Menschen litten sehr. Jede Hälfte suchte sehnsüchtig nach ihrer anderen Hälfte und wünschte sich nichts sehnlicher, als wieder eins zu werden.



Zeus sah das Leiden und hatte Mitleid. Er lenkte die Liebe (Eros) so, dass sie die beiden Hälften zueinanderführte. Wenn zwei zusammengehörige Hälften sich finden, empfinden sie ein großes Glück – das Gefühl, endlich vollständig zu sein.

Seitdem sucht jeder Mensch seine „andere Hälfte“. Diese Sehnsucht nennen wir Liebe – die Kraft, die uns zueinander zieht und die alte Ganzheit wiederherstellen will. Denn in jedem Menschen lebt die Erinnerung daran, dass wir einst vollkommen waren.


Platon

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