RUUG NACHTEN / TWALF NACHTEN
Von
egalis
Freitag 27.12.2019, 18:15
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egalis
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©Elke Bontjer-Dobertin/
Wat is di dat een Glück, dat een nejen Jahr anfangt, mit ohn groot Mallören in de lesde Dagen van ´t oll Jahr un in de eersde Dagen van ´t neje. Denn dit steiht schreven un is besünners in ollerder Tieden vertellt worden un van mien Moder weet ik dat ok:
In de Nachten tüsken Hilligdag und Dreeköningsdag is d´r gewaltig wat los in de Lucht. Denn geiht unselig Weeswark tokehr. Dor is de bös Geest Fro Berchta ant warken. Besünners an de Dreeköningsdag is se unnerwegens und hett dat up Spinnfrons ofsehn, de keen Lüst hebben to spinnen. De sett se düchdig to.
Man vandaag gifft dat nich mehr völ Frons mit disse Wark. Kann wesen un Fro Berchta is dorum leep düll un överleggt sük anner Undögd, wat se de Minsken andoon kann.
Man dit is besünners leep: De Wilde Jäger is mit hör unnerwegens! He jaggt up sien pickswatte, mehrkoppt Peerd dör de Himmel. Achter hum an sleppt he een Gefolge van arm Seelen mit, de in ´t Grafft keen Ruh finnen. Lelke Geisten jagen mit ´n örntliek Juchhei dör de Nachten. Dat sücht ut, as fegen düster Wulken över de Himmel. Dor huult un zierst und pultert un suust dat um Huusecken, dor kannst rein Nood bi kriegen.
Ojassas, wennehr denn een Minske in süks slimm Nacht in buten is! Dat is denn so finster. He sücht keen Hand vör Ogen. De Störm is so wild, schüddelt hum dör ´n anner, dat he nich mehr weet, wor is nu vör of achter, wor kummt he her un wor will he hen.
Fenster un Dören van de Husen mutten denn dicht wesen in süks unbannig Nachten. Besünners de Stalldören. Anners worden de Kojen mall in de Koppen van all dat Gedrüs un stahnt so tomal güst.
Swienslachten kannst denn vergeten. Van een Moment to de anner sünd s´man blot noch Huut un Bunken. Een Buur sall denn ok keen Mess up sien Ackers brengen. De Früchten worden nix!
Man eersd de Huusfrons: Blot keen Waske wasken un inbuten uphangen! Wenn de wilde Jagd dör de Logen geiht un dor hangt Wittgood an de Lien, denn so rieten de Geister dat runner. In een van nakomend Maanden smieten se dat Linnen över een Huus un dor sall denn een Minske starven!
Man in uns Tied sallen de malle Seelen woll nich mehr völ Doken finnen. Haast elke Huushollen hett een Waskedrögmaker in Huus stahn. Dor bruukt de Waaske nich mehr an d´ Lien.
Noch wat is wichtig in de twalv Nachten:
Dat Slaapkamerfenster mutt dicht blieven! Anners stüren de Geister mall Drömen herin. Een Droom in disse twalv Nachten sall verraden, wat de Tokumst brengt. Twalv Nachten, twalv Maanden. Wekke Nacht de Droom west hett, in de Maand sall he sük utdoon.
Man good, dat ´t all vörbi geiht. Denn is busend Wind blot noch Störm un keen Gehuul, Gesuus un Gedoo mehr van malle Geister. Kojen geven weer Melk. Swienen sünd bold weer Snirtjebraa. Mess un Gülle kann weer up de Ackers un um uns to stinken.
Neei Jahr, good, wenn Du d´r büst!
Übersetzung:
RAUNÄCHTE – ZWÖLFNÄCHTE
Was ist das für ein Glück, dass ein neues Jahr anfängt, ohne große Unglücke in den letzten Tagen vom alten Jahr und in den ersten Tagen vom neuen Jahr. Denn dies steht geschrieben und ist besonders in älteren Zeiten erzählt worden und von meiner Mutter weiß ich das auch:
In den Nächten zwischen dem Heiligen Abend und dem 6. Januar, den Heiligen Drei Königen, toben Geister durch die Lüfte.
Da ist einmal die dämonische Frau Berchta am Werke. Sie ist besonders am Dreikönigstag unterwegs und straft faule Spinnerinnen. Da es aber noch kaum Spinnerinnen gibt, hat Berchta nicht viel zu tun und ist vielleicht deshalb besonders knatschig und überlegt sich andere Untaten.
Sie ist nicht allein unterwegs.
Der Wilde Jäger mit einem grausigen Gefolge, das sich aus unseligen Toten, aus Gerichteten, aus Selbstmördern und anderen armen Seelen, die in den Gräbern keinen Frieden finden, besteht, ist in diesen Nächten ihr Gefährte. Er galoppiert mit einem vielköpfigen pechschwarzen Ross durch die Lüfte, seine Geister im Schlepptau.
Sie bilden schwarze Wolkengetüme und die fegen über den Himmel. Da heult und zischelt, klabastert und saust es um Hausecken, dass einem angst und bange wird.
Wehe, es ist ein Mensch in einer solch furchtbaren Nacht draußen! In der Finsternis ist keine Hand vor den Augen zu sehen. Der Sturm wird ihn beuteln und durcheinander schütteln, dass er nicht mehr weiß, was vorn oder hinten ist, wo er herkommt und wohin er will.
Fenster und Türen sind geschlossen zu halten. Insbesondere auch die Stalltüren, damit die Kühe nicht irrewerden vom Anblick und Getöse der Geister und dann von einem Moment auf den anderen keine Milch mehr geben.
Schweine eignen sich dann nicht mehr zum Schlachten. Sie sind innerhalb kürzester Zeit nur noch magere Gerippe. Auch darf der Bauer keinen Mist auf die Äcker bringen. Es wird nichts gedeihen.
Auf keinen Fall aber darf die Hausfrau in diesen Tagen Wäsche waschen und draußen aufhängen! Denn finden die umtriebigen Geister ein weißes Leintuch, so reißen sie es von der Leine und werfen es im Laufe des Jahres als Leichentuch über das Haus, wo dann jemand sterben wird.
Viele Tücher werden sie in der heutigen Zeit wohl nicht finden, denn die meisten Haushalte haben einen Wäschetrockner und der steht unter Dach und Fach. –
Womit man sieht, dass es die alten Geister heutzutage gar nicht so leicht haben, ihren Bedürfnissen und Bestimmungen nachzukommen.
Nachts sollten die Schlafzimmerfenster nicht geöffnet sein, damit die Frau Berchta und der Wilde Jäger keine bösen Träume zu den Schläfern schicken können.
Träume in den Raunächten offenbaren die Zukunft. Zwölf Nächte, zwölf Monate. In welcher Nacht ein Traum gewesen ist, in dem Monat soll er sich verwirklichen.
Wie gut, dass alles irgendwann vorüber ist. So sind denn in wenigen Tagen die Raunächte vorbei und der Sturm ist dann nur noch Sturm und keine Geistermeute mehr.