DE BLINNE SCHAUSTERJUNG
Von
egalis
Samstag 23.01.2021, 13:49
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egalis
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"Ach, Meister! Meister! ach, ick unglückselig Kind
wo geiht mi dit? Herr Je, di mein!
Ach, Meister! Ick bün stockenblind,
ick kann ok nich en Spirken seihn!"
De Meister smitt den Leisten weg,
hei smitt den Spannreim in de Eck
un löppt na sinen Jungen hen:
"Herr Gott doch Jung! Wo is di denn?"
"Ach, Meister! Meister! Kiken S´ hir!
Ick seih de Botter upt Brod nich mihr!"
De Meister nimmt dat Botterbrod,
bekickt dat nipp von vörn un hinn´n!
"So slag doch Gott den Düwel dod!
ick sülwst kann ok kein Botter finn´n.
Na, täuw!" Hei geiht rtau de Fru Meistern hen
un seggt tau ehr: "Wat makst du denn?
Wo is hir Botter up dat Brod?
Dor slag doch Gott den Düwel dod!" -
"Is dat nich gaud för so en Jungen?
Ji sünd man all so´n Leckertungen;
ji müggten Hus un Hof vertehren,
un ick sall fingerdick upsmeeren.
So geiht dat noch nich los! Prahl sacht!
De Botter gelt en Grösch´ner acht."
"Ih, Mudder, ward man nich glik bös,
hest du denn nich en beten Kes?"
Un richtig! Sei lett sick bedüden
un deiht den Jungen Kes upsniden.
De Meister bringt dat Botterbrod herin,
giwwt dat den Jungen hen un fröggt,
ob sick sin Blindheit nu hadd leggt,
un ob hei wedder seihen künn.
"Ja, Meister," seggt de Jung ganz swipp,
"ja, Meister, ja! Ick seih so nipp,
as hadd ´ck ne Brill up mine Näs,
ick seih dat Brot all dörch den Kes."
Fritz Reuter
*07. November 1810 in Stavenhagen
+12. Juli 1874 in Eisenach