MUSSELS / MUSCHELN
Von
egalis
Mittwoch 25.08.2021, 11:16
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egalis
Mittwoch 25.08.2021, 11:16
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Süster hett sük för mien Paketje bedankt un harr glieks dat Heft mit Rezepten studeert. Für un Flamm weer se, as se dat Rezept van Mussels lesen dee.
- De mach se ja so geern, sä se.
- Nä, hebb ik antert, dormit kannst mi jagen.
– Warum dat denn, wull se weten.
Un ik hebb hör vertellt, wo mi dat dormit gahn hett, as ik up Börkum mien Landjahr leevt hebb:
Up Plaats was een Matroos ut Marseille as Gast bi uns. Francois harr he heten. Man wi säen van Franz an hum. He verstunn wat van Mussels un wull uns de klaar maken. Vertell uns, wat he bruken dee an Gemüs un Krüderee. Dat hebben wi besörgt. Man de Mussels, de fehlden noch.
Heel achtern up ´t Eilander Oostland weer een Stee, dor wussen Mussels. Dat weer bekennt. Wi trucken los as Ebbe weer. Hillrich harr dat Stür van de oll fievuntwintiger Deutz in Hand. Hermann satt up de een Radenblick, ik up de anner un Franz bi Förk un de Sacken up Anhänger. So tuckerden wi dör de Dünen an de Strand, up ´t Oostland an. Kollen Wind weih uns tomöt, man wi harren uns warm Winterpackjes an. Een goden Sluck mit Perzenten harrn wi ok dorbi.
Mussels upförkt, in Sacken pultern laten un weer na d´ Plaats to tuckert. Unnerwegens kreeg Hillrich koll Foten. Keen Probleem: Motorhaube upstellt, Foten up de warme Motor un mit Gesang un Juchhei gung ´t dorhen. Tüskenin ´n lüttjen Sluck ut Buddel. Över d´ Duum, as ´n so seggt.
Ik weet nich, wo faak de Mussels wasket worden mussen, dat de Sand ofgung un denn dat hele Goodje in Waskketel up Ovend. As dat Koken daan weer, gung dat an ´t Eten.
Harr sinoit nich dochd, dat ik Mussels eten dee. Man de weern sowat van lecker! Wi hebben good tolangt. Dormit ´t beter andaal glieden dee, geev dat Kunjack d´rbi. Oha, wat weern wi good drup!!
Man denn gung dat mit leverlaa in de Nacht herin un een na d´ anner verswunn in sien Kamer. Hett nich lang anhollen, mien Ruh. Denn gung mi dat sowat van slecht! Hebb de Rest van de Nacht nich mehr völ in Bedd west, mehr in buten over ´t Becken hangen.
Hebb mi swoorn: sinoit nich weer sovöl Kunjack.
Man denn sä mien Süster, dat se mit de Musselverkoper up Fiskmarkt proot harr. De wull ok sien Leevdag keen Mussel mehr eten. He harr dorvan sowat van een Eiwittvergiften hatt, dat was haast nich mehr uttohollen west.
Kiek, meen Süsterke, dat hebben denn ok woll bi Di tovöl van de Mussels west un Du harrst Di vergift mit dat Eiwitt, dat in de Mussels sitten deit.
De Kunjack hett dat nich daan.
Hebb nickkoppt. Dat lücht mi in. Wat ´n Glück!
Denn man Prost!
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MUSCHELN / Aus dem Plattdeutschen übertragen
Meine Schwester bedankte sich für das Päckjen und hatte gleich das Heft mit den Rezepten studiert. Feuer und Flamme war sie, als sie das Muschelrezept las.
- Die mag sie ja so gerne, sagte sie.
- Nee, habe ich geantwortet, damit kannst Du mich jagen.
- Warum das denn, wollte sie wissen.
Ich habe ihr erzählt, wie mir das damit ergangen ist, während meines Landjahrs auf Borkum.
Auf dem Hof war ein Matrose aus Marseille als Gast. Francois hieß er, aber wir nannten ihn Franz. Er verstand was von Muscheln und wollte uns die zubereiten. Er erzählte uns, was er dazu an Gemüse und Gewürzen gebrauchen würde und wir besorgten die Sachen. Aber die Muscheln, die fehlten noch.
Ganz hinten auf dem Insel-Ostland war eine Stelle, da wuchsen Muscheln. Das wussten wir. Wir zogen bei Ebbe los. Hillrich hatte das Steuer von dem alten fünfundzwanziger Deutz in der Hand. Hermann saß auf dem einen Radblech, ich auf dem anderen und Franz bei Forken und den Säcken auf dem Anhänger. So zuckelten wir durch die Dünen an den Strand, dem Ostland zu. Kalter Wind wehte uns entgegen, aber wir hatten unsere warmen Wintersachen an und ab und zu gab es einen Schluck Hochprozentigen aus der Flasche.
Muscheln aufgeforkt, in Säcke poltern lassen und wieder zurück zum Hof. Unterwegs bekam Hillrich kalte Füße, was aber kein Problem war: Er stellte die Motorhaube hoch, setzte seine Füße auf den warmen Motor und mit Gesang und Juchhei ging es dahin. Zwischendurch nahmen wir einen Schluck aus der Schnapsflasche, über den Daumen, wie man so sagt.
Ich weiß nicht mehr, wie oft die Muscheln gewaschen werden mussten, damit der Sand abging, bevor sie in den großen Waschkessel auf den Ofen kamen. Als die Muscheln gar waren, fand sich eine lockere Runde um den großen Tisch ein und wir machten uns über diese Mahlzeit her.
Niemals hatte ich gedacht, dass ich Muscheln essen würde. Aber diese waren so was von lecker! Wir haben gut zugelangt. Damit alles besser rutschte, gab es Cognac dazu. Wir waren mächtig gut drauf!
Mittlerweile wurde es Nacht und einer nach dem anderen verschwand in seiner Kammer. Meine Ruhe hielt nicht lange an. Mir ging es so was von schlecht! Den Rest der Nacht war ich nicht mehr viel im Bette, habe mehr über dem Becken draußen gehangen.
Und ich habe mir geschworen: Niemals mehr so viel Cognac!
Nach diesem Bericht erzählte mir meine Schwester, dass sie mit ihrem Muschelverkäufer auf dem Fischmarkt gesprochen hatte. Der wollte auch sein Leben lang keine Muscheln mehr essen. Er hatte davon eine schlimme Eiweißvergiftung gehabt.
Sieh, meinte Schwesterchen, das sind denn auch wohl bei Dir zu viele Muscheln gewesen und Du hast dich vergiftet mit dem Eiweiß, das in den Muscheln sitzt. Der Cognac war das nicht.
Ich habe genickt. Das leuchtet mir ein. Was für ein Glück.
Denn man Prost!
©Elke Bontjer-Dobertin