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Demenz im Wandel der Zeit

Es beginnt oft leise. Ein vertrauter Mensch wiederholt dieselbe Frage, vergisst einen Termin, wirkt plötzlich unsicher in gewohnten Situationen. Zuerst schiebt man es auf Stress oder Müdigkeit. Doch irgendwann merkt man: Da verändert sich etwas. Und dann erhält man auf einmal die Diagnose Demenz.

Demenz betrifft viele Familien direkt oder indirekt. Und doch hat sich unser Verständnis davon erst über die Jahrhunderte entwickelt. Vom „Altersstarrsinn“, den man still hinnahm, bis zur Krankheit, die man heute erforscht und offen bespricht: Die Geschichte der Demenz ist auch eine Geschichte von Irrtümern und Fortschritt.

Sitzender Senior

Antike und Mittelalter: Zwischen Akzeptanz und Aberglaube

Schon in der Antike fiel auf, dass ältere Menschen manchmal ihr Gedächtnis verloren oder verwirrt wirkten. Gelehrte wie Cicero sahen das als einen natürlichen und damit unvermeidlichen Teil des Alterns.

Im Mittelalter dagegen bekam das Ganze einen düsteren Anstrich. Wenn jemand „den Verstand verlor“, wurde das oft als Strafe Gottes oder als Zeichen dämonischer Besessenheit gedeutet. Menschen mit auffälligem Verhalten wurden gemieden oder eingesperrt. Der Begriff dementia war zwar bekannt, meinte aber allgemein Wahnsinn und nicht die spezifische, altersbedingte Form, die wir heute meinen.

Die Neuzeit: erste medizinische Deutungen

Mit der Aufklärung änderte sich der Blick. Medizin und Wissenschaft gewannen an Einfluss, und man begann, Demenz als Krankheit zu sehen. Doch das hatte einen Haken: Viele Betroffene landeten in Anstalten, weit weg vom gesellschaftlichen Leben. Das Stigma blieb demnach, nur das Etikett hatte sich geändert.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts kam Bewegung in die Sache. 1906 beschrieb der deutsche Psychiater Alois Alzheimer die typischen Eiweißablagerungen im Gehirn seiner Patientin Auguste Deter. Zum ersten Mal wurde der geistige Abbau nicht als Schicksal des Alters, sondern als klar abgrenzbare Krankheit erkannt.

Im 20. Jahrhundert

Trotz Alzheimers Entdeckung dauerte es Jahrzehnte, bis die Forschung wirklich Fahrt aufnahm. Erst mit der steigenden Lebenserwartung rückte das Thema wieder ins öffentliche Bewusstsein. Da immer mehr Familien betroffen waren, wuchs das Interesse an den Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Demenz heute

Heute wissen wir, dass Demenz keine „Altersschwäche“ ist, sondern eine komplexe Erkrankung, die viele Formen haben kann. Der Fokus von Interessenverbänden und Forschung liegt nicht mehr nur auf der Krankheit, sondern auf dem Leben mit ihr.

Seniorin denkt nach

In Deutschland leben laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Die Alzheimer-Krankheit ist dabei die häufigste Ursache. Durch den demografischen Wandel – immer mehr Menschen werden älter – wird die Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen. Schätzungen zufolge könnte sie sich bis 2050 nahezu verdoppeln.

Das bedeutet: Fast jede Familie wird früher oder später mit dem Thema Demenz in Berührung kommen. Sie gehört zur Realität einer alternden Gesellschaft. Je mehr wir darüber wissen, desto besser können wir damit umgehen.

Und: Ein Mensch mit Demenz bleibt ein Mensch mit Gefühlen, Bedürfnissen und Erinnerungen. Wenn wir das im Blick behalten, ist schon viel gewonnen.

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