Stadtrundgang Kamenz und Wanderung zum Hutberg
Gut gelaunt und mit Sonne starteten wir am Vormittag des 28. Mai unseren Rundgang in der Lessingstadt Kamenz. 27 Teilnehmer unserer Regionalgruppe
und ein Hund sind dazu ganz bequem per Bahn, teilweise auch mit dem Auto,
angereist.
Eine Besonderheit von Kamenz sind die vielen Parkanlagen, in denen jedes
Jahr um Pfingsten die Rhododendronbüsche und die Azaleen in den
vielfältigsten Farben erblühen. Diese Blütenpracht verdankt Kamenz dem
Gärtnermeister Wilhelm Weiße (1846-1916), einer Koryphäe auf dem Gebiet der
Koniferenzüchtung.
Von seinen Reisen brachte er die ersten Sträucher mit, begann dann eine eigene Anzucht und gestaltete damit alle Parks der Stadt (rund 60 ha öffentlich genutzter Grünflächen).
Gleich beim Bahnhof begrüßte uns die Villa Weiße, sein ehemaliges
Zuhause, und gegenüber lud der Volkspark unsere Besucher zu einem kleinen
Spaziergang ein.
Am anderen Ende des Volksparks, dem Lessingmuseum zugewandt, bewunderten wir Fabelplastiken, eine Einstimmung für den Besuch des Lessingmuseums.
Kennst du den Inhalt dieser Fabel? Lies hier nach!
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) ist der berühmteste Sohn der Stadt Kamenz, er wurde hier geboren und machte sich später einen Namen als wichtigster Dichter der deutschen Aufklärung, mit den Theaterstücken "Minna von Barnhelm", "Nathan der Weise" u.v.a. sowie seinen vielen Fabeln.
Nach einem Gruppenfoto vor der Büste Lessings ging es weiter zum Sakralmuseum St. Annen(1493), welches von den Franziskanern in Kamenz erzählt und ein einzigartiges, prachtvolles Ensemble von fünf spätgotischen Schnitzaltären beherbergt.
In der derzeitigen Sonderausstellung in der Galerie werden 52 neu erworbene Bücher aus Lessings letzter Privatbibliothek gezeigt. Nun besitzt das Lessingmuseum 90 von damals 264 Büchern und man arbeitet weiter an deren
Vervollständigung. Sie geben einen Einblick in den geistigen Horizont
Lessings sowie seine beeindruckenden Sprachkenntnisse.
Durchs Klostertor, welches in den 70er Jahren Kulisse bei einem Musikvideo der Puhdys war, ging es dann zum Stadtkern.
Das Rathaus am Marktplatz wurde nach dem Stadtbrand 1842 neu errichtet und ist wegen des Lichthofes in seinem Inneren eines der schönsten in Deutschland. Gleich gegenüber sahen wir das älteste Gasthaus von Kamenz, den "Goldenen Hirsch". Hier fand u.a. die Feier zur Taufe Lessings statt. Weil wir das
Mittagessen für 12 Uhr bestellt hatten, setzten "unsere Goldenen Hirsche"
ihren Stadtrundgang durstig fort.
Weiter ging es zum Andreasbrunnen, der 1570 vom Bürgermeister Andreas Günther gestiftet wurde. Ihn krönen Justitia mit Schwert und Waage, das Böhmische und das Kamenzer Wappen sowie das deutsche Reichswappen.
Vorbei am Feuerhaus liefen wir ins Herrental, welches ein wunderschönes
Naturschutzgebiet gleich neben dem Stadtkern ist und früher die Kamenzer
Tuchmacher, später die Kamenzer Tuchfabrik sowie das Außenlager des KZ
Groß-Rosen beheimatete. Hier konnten wir sehr schön sehen, wie Kamenz zu
seinem Namen „Stadt am Stein“ kam.
Über den Anger setzten wir unseren Rundgang fort zum Geburtshaus Lessings, welches dem letzten Stadtbrand zum Opfer fiel und deswegen heute nur noch eine Gedenktafel ist.
Auf dem Friedhof der Marienkirche, dem Wahrzeichen der Stadt Kamenz und einer der bedeutendsten Hallenkirchen Sachsens, liegen Lessings Eltern begraben. Sein Vater war Pastor an der Marienkirche, und hier sahen wir auch Lessings Lieblingsplatz, einen Ort zum Verweilen und Entspannen mit einem herrlichen Blick über das südöstliche Kamenzer Umland.
Nun kamen wir zum Höhepunkt unseres Stadtrundganges, der Besteigung des Kirchturmes. Fast alle nahmen die Anstrengungen des Aufstieges auf sich (74 Stufen nach der 100sten!) und wurden mit einem atemberaubenden Blick auf Kamenz belohnt. Fast genau so toll waren die Aussichten vom roten Turm (Pulsnitzer Stadttor).
Interessant waren auch die Hinterhöfe bzw. die hübsch gestalteten Dachterrassen. Entlang der Schillerpromenade ging es am Barmherzigkeitsstift (mit dem Bönisch-Mausoleum) vorbei zum Museum der Westlausitz mit dem Pichschuppen und dem Malzhaus zum Mittagessen.
Nach einem gemütlichen Essen, gut gestärkt, wanderte es sich leicht auf den 300 m hohen Hutberg, entlang an vielen Koniferen sowie Azaleen- und Rhododendronpflanzungen. Das Areal am Hutberg umfasst ca. 18 ha und lädt jedes Jahr zur Rhododendronblüte tausende Besucher nach Kamenz ein. Allein an diesem Nachmittag haben wir 2 Reisebusse gesehen und von einem dritten erzählt bekommen. In buntem Wechsel kann man fremdländische und einheimische Gehölze bewundern und deren Blütendüfte aufnehmen.
Den Hutberg krönt ein Aussichtsturm mit Gaststätte, wo wir uns bei einer
Tasse Kaffee von den Anstrengungen des Aufstieges erholten.
Danach sahen wir neu gestärkt die Hutbergbühne.
Als Thingplatz 1936 fertiggestellt, fasst sie heute ca. 10.000 Besucher und sah schon Musikgrößen wie Joe Cocker oder seit ca. 30 Jahren jährlich die Puhdys, welche in diesem Jahr ihre Abschiedstournee geben.
Nicht zu vergessen der Gesangsverein der Regionalgruppe Dresden, der an diesem Nachmittag „Alt wie ein Baum“ zum Besten gab und von einem, extra aus China angereisten Fans bejubelt wurde.
Mit so vielen neuen Erlebnissen nach einem entspannten Tag machten sich
alle wieder auf den Heimweg.
Wir bedanken uns recht herzlich bei Angelika (Lyandra) für die sehr gute Organisation dieser Veranstaltung, und für die Führung mit den interessanten Erläuterungen durch die Stadt gilt ihr und ihrem Sohn ebenfalls unsere Anerkennung.
Der informative Bericht stammt ebenfalls von Angelika.
Fotos: Wolfgang (erzer) und Karin (schlecki)
Zusammenfassung und Collagen: Karin (schlecki)
Weitere Fotos zur Rhododendronblüte auf dem Hutberg findet ihr in der Galerie von Karin (schlecki) und Wolfgang (erzer)
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