Rundgang durch Kleinzschachwitz
Am 15.Oktober 2026 trafen sich 20 Interessierte zu einem Spaziergang durch Dresden –
Kleinzschachwitz, um etwas zur Entwicklung, ihren Bewohnern und der Architektur
dieses Stadtteils zu erfahren.
Zitat von 1895 aus der Dresdner Rundschau: „...Der Ort verbindet mit ländlicher Ruhe
und Abgeschiedenheit den Vorzug gesunder ...Luft, prächtiger Lage und allerliebster
Ausblicke...“
Begonnen haben wir auf der Peter-Schmoll-Straße, wo es am Haus Nr.9 eine besondere
Tür zu betrachten gab. Sie stammte aus dem Norden und wurde 1711 in ein Bauernhaus
eingebaut.
Als Franz Hochmann (Maler) erfuhr, dass das Haus abgerissen werden sollte, kaufte er sie
und sie wurde als Schmuckelement in seine Villa eingebaut (1906).
Weiter liefen wir zur Elbe und vorbei am Wohnhaus des Dresdner Ernst Hirsch, dem
„Auge von Dresden“ (Dokumentarfilmer), der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag
feierte.
An der Elbe sahen wir ein besonderes Gebäude, 1860 erbaut für das Pionierbataillon, das
auch für den Fährbetrieb nach Pillnitz zuständig war. Noch heute befinden sich die
Unterkünfte für die Fährleute im Gebäude. Nach dem Hochwasser 2002 erfolgte 2004
eine umfangreiche Rekonstruktion mit Gaststätte im Erdgeschoss (ab 2025 Café) und
angrenzendem Biergarten.
Weiter führte uns der Weg zum Kurhaus, Ende des 19.Jh. Es gilt als Symbol für den
Villen- und Luftkurort Kleinzschachwitz. Denn zu dieser Zeit begann eine regelrechte
Bauwelle - zumal auch moderne Nahverkehrsmittel (Dampfschiff, Straßenbahn bis
Laubegast und Eisenbahn bis Niedersedlitz, weiter mit Kutsche) zur Verfügung standen.
Das Kurhaus wurde bis zum ersten Weltkrieg betrieben, danach wechselvolle Nutzung.
1999 Wiedereröffnung nach umfangreicher Sanierung als Hotel mit Gaststätte; seit 2015
exklusive Wohnanlage.
An der angrenzenden Wilhelm- Weitling- Straße betrachteten wir drei Häuser genauer.
Einmal das Wohnhaus von Thomas Rosenlöcher (1947-2022), Schriftsteller u.a. Gedichte,
Essays, Kinderbücher.
1982 erschien: “Ich lag im Garten von Kleinzschachwitz“ - hat sich viel mit dem Hier –
Geblieben und später mit den Befindlichkeiten der Ostdeutschen beschäftigt und
geschrieben.
Die Villa Nr. 6 ist ein Beispiel für den weitgehenden Verzicht auf Ornamente – in der
klassischen, schlichten Form von 1909.
In der Nr. 3 lebte Therese Malten (1853-1930). Sie war Sopranistin des königlichen Hofes,
prominente Künstlerin ihrer Zeit. Selbst R. Wagner war von ihr angetan. Sie war sehr
beliebt und tat viel für ihr Umfeld. Die Villa wurde 1892 erbaut.
Nach ihr wurde eine Straße benannt, die wir anschießend nutzen, um den Rundgang
fortzusetzen.
So kamen wir an das Haus, das Anton Rubinstein (1829-1894) kaufte und bewohnte,
wenn er in Dresden war. Er war Pianist und Komponist – ein Klavierzyklus trägt den
Namen: „Souvenir de Dresden“. Nach ihm sind Klavierwettbewerbe benannt – in
Düsseldorf und Tel Aviv.
Ein öffentliches Gebäude erreichten wir als nächstes: das 1901/02 erbaute Rathaus mit
Postamt.
Am Eingang zum ehemaligen Rathaus befindet sich eine Gedenktafel mit Namen
besonderer Förderer von Kleizschachwitz.
Mit der Eingemeindung nach Dresden 1921 wurde das Rathaus nicht mehr benötigt, das
Postamt blieb bis 1998. Das Gebäude wurde privatisiert.
Über die Storchenneststraße erreichten wir das Putjatinhaus, das seinen Namen nach dem
Fürst Nikolaus Abramowitsch Putjatin erhalten hat (1749 in Kiew -1830 in Dresden).
Er kam 1797 nach Kleinzschachwitz – wegen der guten Luft – kaufte Baugrund und
baute ein Landhaus mit prächtiger Parkanlage. Da seine Tochter lungenkrank war,
veranlasste er am Haus den Bau von 16 Balkonen in verschiedenen Windrichtungen, einen
Turm und eine Dachterrasse.
Beschrieben wird er als Humanist, mit Sinn für Kultur, religiös, erfinderisch mit vielen
Ideen für Architektur, gute Menschenkenntnis.
Er veranlasste und bezahlte den Bau einer Schule im russischen Stil (das heutige
kulturelle Zentrum mit seinem Namen).
Auf dem Putjatinplatz befindet sich seit 1997 ein Denkmal von ihm.
Er sitzt auf einer Schaukel – davon gab es auf seinem Grundstück viele;
der lange Mantel zeigt seine typische Kleiderordnung,
die nackten Füße sind ein Symbol für seine Neigung zur Freikörperkultur und
die Möpse sind seine große Liebe. „Hunde sind gute Menschen und Menschen schlechte
Hunde“ pflegte er zu bemerken.
Damit beendeten wir unseren Rundgang durch Kleizschachwitz, das Anfang des 20 Jh.
eines der schönsten Vororte von Dresden war, da die Gemeindevorstände mit Hingabe für
die Entwicklung arbeiteten und ihnen die finanziellen Möglichkeiten (vererbte Gelder)
zur Verfügung standen.
Anschließend kehrten wir noch ins Pfannkuchenhaus ein, einer Villa, erbaut um 1900 in
Altkleinzschachwitz. Die Villa gehört wie weitere Gebäude zu den Kulturdenkmalen.
Die Idee für den Rundgang durch den Stadtteil Kleinzschachwitz hatte Renate (Toru). Ihre Ausführungen waren sehr interessant und einige von uns haben davon zum ersten Mal gehört.
Wir bedanken uns bei Renate für die Organisation und den Bericht.
Fotos: Wolfgang (erzer) und Angelika (GeliZ)
Zusammenstellung: Angelika
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