Feierabend-Mitglieder zu "Lebe deine eigene Melodie"
Ein Buch, das berührt
Der Titel "Lebe Deine eigene Melodie" ist sehr ansprechend und macht neugierig dieses Buch zu kaufen, er ist genau passend für den Inhalt. Es gibt viele Melodien - langsame, schnelle, temperamentvolle, klassische, moderne usw. - und jeder Mensch muss seine eigene Melodie/Lebensrhythmus finden. Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben und ich habe mich an einigen Stellen wieder gefunden. Es regt sehr zum Nachdenken über bisher Erlebtes an und zeigt einem an, neue Wege zu gehen, um alte und eingefahrene zu verlassen. Man kann daraus lernen, das man sich im Alltag nicht selber vergessen sollte.
Ein Absatz auf Seite 32 hat mich besonders berührt:
"Unser Körper, unser guter, vertrauter Freund, mit dem wir schon einen langen Weg zurückgelegt haben, hat ein gutes Gedächtnis. Darin ist alles aufbewahrt. Das Wissen, das Lachen, das Weinen, die Genüsse, die Plagen, die Anstrengungen, die Kämpfe, die Verwirrungen und Verzweiflungen, die Kränkungen und Krankheiten. Man kann ihm immer wieder danken für all das, was er ertragen, ausgetragen, geschenkt und genommen hat. Er ist die Stätte unserer Träume, der Tränen, der Fantasien, der Zärtlichkeiten, der Launen und Stimmungen."
Ich finde, treffender kann man es einfach nicht ausdrücken, als Frau Tarr es in diesem Absatz getan hat.
Älterwerden könnte man als Weg vom Wünschen zum Hoffen beschreiben, so Frau Tarr. Genauso empfinde ich es auch. Sie hat mir direkt aus der Seele gesprochen. Auch ich hoffe sehr, dass sich mein Schicksal noch zum Guten wendet und sich am Ende des Tunnels noch ein Licht zeigt. Ich hoffe sehr, dass Frau Tarr noch weitere so gute Bücher schreibt und würde mich sehr freuen, wenn ich auch dann wieder ein Buch zur Probe lesen darf.
Zielgruppe zu speziell?
Die Autorin versucht mit ihrer "Anstiftung zum Älterwerden" einen Leitfaden zur positiven Gestaltung der dritten Lebensphase zu unterbreiten. Die Zielgruppe bezieht sich auf Menschen, die das aktive Berufsleben, mit all seinen Zwängen und Abhängigkeiten, absolviert haben.
Die Geisteshaltung der Autorin scheint eher anthroposophisch und feministisch geprägt zu sein (Wie könnte man sich sonst zu freiwilligen Gefangenen von Karriere und Leistungskampf machen und billigend in Kauf zu nehmen, vor lauter Geschäftigkeit kaum Augen für die Begegnung mit den Dingen und den anderen zu
haben) Ein zielstrebig gesunder Ehrgeiz zur Erlangung materieller Sicherheit im "Alter", wird im Buch unterschwellig als nicht primär erstrebenswert dargestellt, da die "schönen Künste" und „menschliche Beziehungen“ dadurch vernachlässigt würden. Wie jedoch soll eine "selbstbestimmte Verwirklichung" individueller Ziele ohne materielle Unabhängigkeit im Alter realisierbar sein?
Menschen, die im "berufsaktiven" Leben ständig dem Zeitgeist hinterher hechelten, um vermeintlich "up to date" zu sein und die sich keine "Ecken und Kanten" zulegten, werden auch künftig eher ein angepasstes Leben praktizieren.
Für Personen mit bisher bereits ausgeprägtem Selbstbewusstsein und realistischer Selbsteinschätzung ihrer jeweiligen Lebenssituation ist dieses Buch sicherlich lesenswert, trägt aber nicht zur Erlangung neuer Lebensweisheiten bei.
Auffällig ist die permanente Anreihung von Zitaten und häufige Verhaltensempfehlungen im Stile von Frau Hedwig Courths-Mahler.
Fazit:
Das Buch richtet sich vorrangig an sogenannte Bildungsbürger, die in der Regel eigene Wertvorstellungen manifestiert haben, materielle Sicherheit besitzen und selbstbewusst eine altersgerechte Lebensart praktizieren.
Gute Ansätze, aber nicht überzeugend
Dieses Buch zu lesen ist wegen der fehlenden Struktur sehr mühsam. Wenn ich es nicht wegen der Rezension hätte bis zum Ende lesen müssen, dann hätte ich es vermutlich irgendwo nach 40 Seiten weggelegt und nie wieder angefasst. So habe ich mich in vielen Etappen bis zum Ende durchgequält.
Das bedeutet nicht, dass nicht viele Kleinigkeiten richtig sind und hilfreich sein könnten - wenn auch keineswegs nur für Ältere - aber es ist überwiegend eine Sammlung von Details, deren Zusammenhang meist nicht erkennbar ist.
Besonders lästig ist die sehr große Anzahl Zitate von allen möglichen, meist nicht bekannten Menschen, die zwar meist irgendetwas mit dem gerade angesprochenen Thema zu tun haben, aber leider selten wirklich passen.
Ich habe den Eindruck, dass die Autorin sich oft nicht traut zu schreiben, was sie selbst eigentlich denkt, dann ein Zitat einbringt, um anschließend, weil ja jemand anderes das so gesagt oder geschrieben hatte und es damit ja wohl ihrer Ansicht nach eine höhere Authentizität hat, auf dieser Basis zusätzliche Erklärungen zu liefern.
Es stecken in dem Buch sicher etliche sinnvolle Gedanken und Hinweise, aber wenn Frau Tarr nur diese und dann noch strukturiert zu Papier gebracht hätte, dann hätte das Buch vielleicht ein Fünftel des Umfangs und es wäre angenehm, immer mal wieder darin zu blättern, wie etwa in einer Sammlung von Aphorismen.
So ist das Buch meiner Ansicht nach leider nicht empfehlenswert.
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