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Zauberhaftes Weserbergland

... trotz vermummter Gestalten im Regen !


Reisen in Corona-Zeiten ist anstrengend – aber machbar. Wir haben es vom 23. - 26. Oktober 2020 gewagt und ein paar unbeschwerte Tage im Weserbergland verbracht. Nachdem seit November und vielleicht noch länger das Reisen und vieles andere verboten ist, freuen wir uns um so mehr darüber. Wer weiß, wann wir uns wieder treffen und verreisen dürfen. Wichtiger als jedes Treffen und jede Reise ist es jedoch, gesund und vom Virus und jeglichen anderen Krankheiten verschont zu bleiben.

Alberto Grilletta/alfredo6969 von Trendreisen24 hatte für uns wieder ein tolles Programm erstellt und das schöne 4-Sterne Best Western Hotel Ostertor in Bad Salzuflen ausgesucht. Einigen war das Weserbergland nicht unbekannt, aber für jeden von uns war mindestens ein Ziel dabei, das noch nicht bekannt war….oder auch mehrere.

Am 23. Oktober fahren wir um 7 Uhr morgens von Mainz aus los. Unser bewährter Busfahrer Heiko Schwarz, der uns auch schon im Sommer nach Ostfriesland fuhr, hatte um 6 Uhr bereits das Frankfurter Mitglied Gerlinde/Tiberta abgeholt. Am Mühldreieck steigen Elke/Sunny322, Margret/maggylie, Sonja/Bettkasten, Dieter/fidelis45 und ich/Rose56 zu, am Bahnhof warteten Renate/Schmiermaxe, Magdalena/1812, Brigitte/meingold und Karin/Optika.

Nach zwei Pausen erreichen wir um 13 Uhr unser Hotel. Alberto hatte bereits die Zimmerschlüssel geholt und gab sie uns im Bus, so dass wir sofort mit einem der beiden Fahrstühle in das 2. OG fahren können, wo wir alle unsere komfortabel ausgestatteten Zimmer mit großem Bad und begehbarer Dusche beziehen können.

Leider ist uns Petrus nicht hold. Es hat schon während der Fahrt teilweise stark geregnet und auch am Nachmittag kommt der Regenschirm zum Einsatz.

Um 14 Uhr fahren wir nach Hameln, wo uns die Gästeführerin Doris Müller, die uns an allen drei Tagen begleitet, erwartet. Mit vielen Anekdötchen und Geschichten führt sie uns 1 ½ Stunde lang durch die Altstadt. Wie einst dem Rattenfänger, so folgen wir ihr auf der Rattenspur (mehr als dreihundert in Bronze gegossene Rattensymbole) vorbei am Rattenfängerhaus und anderen geschichtsträchtigen Gebäuden.

Die Rattenfängersage kannst Du hier lesen.

Hameln wurde im 9. Jh. erstmals erwähnt und erhielt im 13. Jh. Stadtrecht. Die Stadt war ab 1426 Mitglied der Hanse. Der Ort ist im Zweiten Weltkrieg fast unzerstört geblieben und zeigt deshalb eine Fülle historischer Gebäude. In der Osterstraße stehen zahlreiche Bauten der Weserrenaissance. Fast in jedem Ort in dieser Gegend gibt es eine Osterstraße oder ein Ostertor – vielleicht leitet es sich von dem Wort „Osten = orientalis“ ab.

Doris Müller erzählt uns von der Weserrenaissance folgendes:
Nach der Reformation setzt sich in der Region der Baustil der Renaissance durch. Zu den unverwechselbaren Elementen der Weserrenaissance gehören der Giebel mit geschwungenen Konturen, die Fächerrosette und die „Utlucht“ (Auslug), ein ebenerdiger, erkerartiger Vorbau.

Das Rattenfängerhaus wurde 1602 für einen Hamelner Ratsherren errichtet. Seit 1917 befindet es sich im Besitz der Stadt Hameln. Heute wird dort ein Restaurant betrieben. Das Rattenfängerhaus trägt seit 1900 seinen Namen aufgrund der seitlichen Inschrift, die vom Auszug der Hamelner Kinder im Gefolge des Rattenfängers am 26. Juni 1284 handelt.
Der Rattenfängerbrunnen wurde 2001 errichtet.

Rattenfängerfiguren und ein Glockenspiel finden sich am Hochzeitshaus. Täglich dreimal dreht der Rattenfänger hier seine Runden. Die Glocken spielen das Rattenfängerlied und das Weserlied.

Das Hochzeitshaus ist ein Sandsteinbau und wurde als letztes Gebäude kurz vor Beginn des 30jährigen Kriegs im Weserrenaissance-Stil als Fest- und Feierhaus für die Bürgerschaft errichtet. Der Name Hochzeit (eigentlich: Hoch-Zeit) leitet sich aus „hohe Zeit“ ab, der Zeit des Jahres, in der Feste aller Art gefeiert wurden. Seit den 1950er Jahren ist dort das Standesamt der Stadt Hameln untergebracht.

Neben dem Hochzeitshaus steht die Marktkirche St. Nicolai, dessen ältester Teil aus dem 12. Jh. stammt.

Eine prachtvolle Fassade der Weserrenaissance ziert das Leisthaus. Es zählt zu den bekanntesten Häusern der Hamelner Altstadt. Zusammen mit dem benachbarten Stiftsherrenhaus beherbergt es das Museum Hameln. Die ausgebaute Utlucht (ein Standerker, im Rheinhessischen würde man „Ausguck“ sagen) wird von einer Figur der Lucretia bekrönt.

Das Stiftsherrenhaus wurde 1558 fertiggestellt. Benannt wurde das Gebäude nach seiner bildreichen Fassade. Sie zeigt einen reichen Bilderschmuck mit biblischen Motiven, aber auch antiken Planetengöttern. Die Frontsteine der vorgelagerte Plattform im Eingangsbereich stellen Lucretia („Tugendhaftigkeit“) und Ecclesia („Kirche“) dar. Eine Besonderheit des Stiftsherrenhauses besteht darin, dass es traufseitig zur Straße ausgerichtet ist. Im Erdgeschoss befindet sich seit 1975 das Museumscafé.


Das Bürgerhus, ein Eckhaus, wurde 1560 gebaut. Ehemals war es ein Brauhaus, heute gehört es der Stadt Hameln. Es hat zwei Utluchten; eine bauhistorische Besonderheit ist die Eckutlucht. Das Haus ist mit Rosettenmotiven verziert. Die Fenster im zweiten Obergeschoss weissen sog. Vorhangbögen auf.

Die Führung endet am Münster St. Bonifatius, eine ehemalige Kloster- und Stiftskirche. Der älteste Teil, die Krypta, reicht bis in das Jahr 812 zurück.

Am Münster verabschieden wir uns von Doris Müller bis zum nächsten Tag. Einige gehen noch in die Kirche, eine kleine Gruppe ins Café und die anderen bummeln langsam zum Bus, der uns zurück ins Hotel bringt.


Um 18.30 Uhr erwarten uns im Lokal „Hofbräu“, das dem Hotel angegliedert ist, bayerische Spezialitäten. Wir hatten am Morgen im Bus schon unter den drei angegebenen Hauptgerichten wählen können. Dazu gab es eine Vor- und eine Nachspeise.

Leider ist das Restaurant am Freitag und Samstagabend rappelvoll – in Corona-Zeiten hätte man auf das Oktoberfest, das an dem Wochenende stattfindet, verzichten müssen. Wir sitzen zwar von den anderen Gästen etwas getrennt, aber alle Tische und die Bar sind besetzt – von Abstand ist dort nichts zu bemerken. Deshalb verzichten die meisten von uns auch auf den Absacker nach dem Essen und suchen relativ zügig die Zimmer auf.

Wir sind aber auch müde vom langen Tag und auch am zweiten Tag erwartet uns ein volles Programm.

Am Samstag kann der Regenschirm zum Glück im Bus bleiben .... am Mittag scheint sogar die Sonne.

Nach dem Frühstück, das wir im großen Frühstücksraum einnehmen – um halb acht sind wir fast die einzigen Gäste – starten wir um 9 Uhr zur Fahrt ins Weserbergland. Vorbei an Vlotho ist unser erstes Ziel die Porta Westfalica und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Der Ort unterhalb des Denkmals hat schon bessere Zeiten erlebt.

An der Porta Westfalica endet das Weserbergland, und die norddeutsche Tiefebene beginnt. Wir fahren über den Kaiserweg zum Parkplatz und laufen die letzten Meter durch den Wald zum Denkmal. Das Monument aus Porta-Sandstein wurde 1896 fertiggestellt. Seine Höhe beträgt 88 m. Nach dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig ist es damit das zweithöchste Nationaldenkmal in Deutschland.
Bilderhauer für die Bronzefigur Wilhelm I. war Caspar von Zumbusch. Das Denkmal wurde von dem Berliner Architekten Bruno Schmitz gebaut, der auch das Kyffhäuserdenkmal, das Denkmal am Deutschen Eck und das Leipziger Völkerschlachtdenkmal gestaltet hat.
Vier Jahre dauerte der Bau. Am 18. Oktober 1896 wurde das Denkmal im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria mit einer Feier eingeweiht, an der zwischen 15.000 und 20.000 Menschen teilnahmen.

In Wikipedia ist zu lesen: „Der Kuppelbau, ein auf sechs Strebepfeilern gestützter Baldachin, hat im oberen Teil die Form einer Kaiserkrone mit Kugel und Kreuz auf der Spitze. Auch die Strebepfeiler schließen mit einer Krone ab. Der Baldachin beinhaltet das Standbild, das aus gegossener Bronze besteht. Das Standbild Wilhelm I. zeigt diesen in Uniform des Garde du Corps mit hohen Stiefeln, Waffenrock und Küraß. Von den Schultern wallt der Krönungsmantel. Die rechte Hand hat Wilhelm I. erhoben, die linke auf den Pallasch gestützt. Auf dem Kopf trägt er einen Lorbeerkranz.

Von der Plattform unterhalb des Denkmals bietet sich uns eine weite Aussicht auf die Stadt Porta Westfalica, in das Norddeutsche Tiefland und zum Wesergebirge.

Mit dem Lift fahren wir zum Besucherzentrum mit angeschlossenem Panoramarestaurant, das erst 2018 in der umgestalteten Ringterrasse entstanden ist. Hier wird medial die Geschichte des Denkmals und die der Porta Westfalica sehr interessant erzählt. Wir schauen uns im Besucherzentrum kurz einen Film an und spazieren zurück zum Bus. Die Weiterfahrt ist für 10.30 Uhr angesetzt.


Die Fahrt geht ins Schaumburger Land nach Bückeburg. Einst wurde hier im kleinen Zwergstaat große Politik gemacht. Die Schaumburger Adelsfamilie, deren Stammbaum bis ins Jahr 1110 zurückzuverfolgen ist, gründete zahlreiche Städte, wie Lübeck, Kiel und Hamburg. Mehr - klicke hier

Eine der Linien ist das von 1609 – 1918 existierende Fürstentum Schaumburg-Lippe mit den Stadtgründungen Bückeburg, Rinteln, Stadthagen, Hessisch Oldendorf. Mit der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1918 verzichtete der letzte Fürst Adolf II. auf den Thron. Die Schaumburger behielten aber ihre Besitztümer, nunmehr als Privatpersonen. Seit 2003 ist Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe Chef des Hauses.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Schaumburg-Lippe seine Eigenständigkeit und gehört seitdem zu dem neu gegründeten Land Niedersachsen.


Wir gehen vom Busparkplatz wenige Meter zum Schloß. Die Führung beginnt erst um 12 Uhr.

Bis dahin haben wir noch Zeit, uns den Marstall anzuschauen. In der Fürstlichen Hofreitschule mit den 400 Jahre alten Stallungen leben Hengste barocker Rassen, wie Berber, Lippizaner, Andalusier u.a.

Pferdeliebhaber können hier klicken

Anschließend nehmen wir an der Führung durch das Schloss teil.

Die Geschichte des Schlosses begann bereits vor mehr als 700 Jahren. Um 1304 ließ Graf Adolf VI. von Schauenburg (später Schaumburg) und Holstein-Pinneberg eine Wasserburg erbauen. Gut 200 Jahre später hatte sie sich zu einer mit Wällen und Gräben befestigten Anlage entwickelt. Um 1550 gestaltete Graf Otto IV. den Komplex um: Aus der Burg wurde ein Schloss im damals beliebten Stil der Weserrenaissance.

Die Führung beginnt in der reich ausgeschmückten Schlosskapelle. Sie ist Teil des historischen Schlossgebäudes und fand im Jahr 1396 erstmals urkundliche Erwähnung. Die evangelisch-reformierte Gemeinde feiert dort ihre Gottesdienste. Die Wandflächen sind vollständig mit biblischen Szenen und mit Ornamentwerk ausgemalt, darunter ein Passionszyklus in den Fensternischen. Der Altar ist ein von zwei Engeln getragener Tisch. Zentral hinter ihm, über einer mit korinthischen Säulen gegliederten Nischenreihe, befindet sich, ihrer reformatorischen Bedeutung entsprechend, die breite, aus Holz geschnitzte und vergoldete Kanzel mit den Reliefs Verkündigung an Maria, Anbetung des Jesuskindes und Kreuzigung Christi. An der gegenüberliegenden Wand ist die ebenfalls reich geschnitzte und vergoldete Fürstenloge, unter ihr ein großformatiges Gemälde Das Jüngste Gericht.

Vor den Altarstufen sind unter dem Fußboden die Herzen einiger Angehöriger des Fürstenhauses bestattet; die Körper ruhen im Mausoleum Stadthagen bzw. im Mausoleum Bückeburg. (Quelle: Wikipedia.de)


Im Mittelpunkt der Führung steht der Festsaal und der Goldene Saal in Rot und Gold, mit Intarsienschmuck und der „Götterpforte“ als Höhepunkt.

Da wir im Schloss nicht fotografieren dürfen, empfehle ich die Webseite für Bilder und weitere Informationen – klicke hier

Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe gewährte dem NDR einen Blick in die Privatgemächer. Den 5-Minuten Film gibt es bis Ende Januar 2021 hier zu sehen

Nach der Führung haben wir eine bzw. zwei Stunden Zeit für eine Mittagsrast in Bückeburg. Wir schlendern die Lange Straße entlang. Einige kehren in einem Café ein, andere im historischen Restaurant „Zur Falle“, in dem bereits Heinrich Heine und Hermann Löns gerne eingekehrt sind.

Diejenigen, die mit der Gästeführerin durch den Park zum Mausoleum gehen wollen, treffen sich um 14 Uhr vor dem Schloß.


Das Mausoleum wurde 1911 – 1915 in der Regierungszeit von Fürst Adolf im neoromanischen Stil errichtet. Es ist das größte Mausoleum dieser Art in Europa mit einer riesigen Goldmosaikkuppel. Die Baukosten betrugen über eine Million Goldmark.

18 Familienmitglieder des Hauses Schaumburg-Lippe, Prinzen und Prinzessinnen wurden seither in der Gruft beigesetzt, weitere 8 im Urnenfriedhof außerhalb des Mausoleums.


Wir fahren weiter nach Rinteln. Um 1230 wurde der Ort durch die Schaumburger Grafen gegründet. Von 1619 – 1810 war Rinteln Universitätsstadt.
St. Jakobi war zuerst Kirche eines Benediktinernonnenklosters; die Abteigebäude dienten später der Universität. Die Altstadt beherbergt zahlreiche Fachwerkbauten und einige Adels- und Burgmannenhöfe aus dem 16./17. Jh. Am Markt steht das im Stil der Weserrenaissance erbaute Alte Rathaus, daneben St. Nikolai aus dem 13./14. Jh.

Zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten kannst Du hier mehr sehen und lesen

Wir gehen ein Stück durch den Park, der ein Teil der 1807 geschleiften Festungsanlagen ist. Die Sonne ist uns an diesem Nachmittag hold; der Park leuchtet golden.


Winterzeit am Sonntag. Wir können eine Stunde länger schlafen.

Um 9 Uhr fahren wir ein Stück auf der Märchenstraße, die Deutschland auf 600 km von Bremen nach Hanau durchquert. Die Brüder Grimm sammelten viele ihrer Märchen an Weser, Werra und Fulda, u.a. in Hann. München (Dr. Eisenbart), Sababurg (Dornröschen), Trendelburg (Rapunzel), Höxter (Hänsel und Gretel), Wahlsburg (Das tapfere Schneiderlein), Polle (Aschenputtel), Bodenwerder (Münchhausen).

Unterwegs erklärt unsere Gästeführerin Doris Müller den Unterschied zwischen Lipper und Niedersachsen. Während im Lipperland Fürsten und Industrie den Ton angaben, sind es in Niedersachen, das schon immer Agrarland war, die freien Bauern.


Unser erstes Ziel an diesem Tag ist Bad Pyrmont.

Im 18. und 19. Jh. weilten hier Persönlichkeiten und die Schönen. Wer etwas auf sich hielt, kurte in Pyrmont. Goethe und Königin Luise von Preußen, deren Denkmal in der Wandelhalle steht, stiegen im fürstlichen Badelogierhaus ab, heute Hotel „Fürstenhof“.

Das niedersächsische Staatsbad besitzt einen der größten Kurparks Europas mit barocken Alleen, Palmengarten und Bergkurpark, zu dem man Eintritt zahlen muß.

Wir fahren zur Festung Pyrmont mit dem Barockschloss aus dem 16 Jh. Die Wallanlagen sind von einem breiten Wassergraben umgeben. Der Zugang erfolgt über eine Brücke durch einen langen unterirdischen Gang in den von Bastionen umgebenen Innenhof. Ein Rundweg führt auf den Wällen der Anlage entlang, den wir bei Sonnenschein sehr genießen. Immer wieder bleiben wir stehen und werfen einen Blick auf Kurpark und Palmengarten. Das Schloss dient heute als Stadtmuseum.

Anschließend fahren wir zum Schloss Hämelschenburg, das nicht nur in einer zauberhaften Landschaft liegt, sondern sich auch selbst wie ein verwunschenes Schloss aus alter Zeit präsentiert.

Die bewegte Geschichte ist in Wikipedia wie folgt beschrieben:

Bereits 1409 wurde die Burg Hemersen erbaut, die jedoch 1487 zerstört wurde. Danach ließ die Ritterfamilie Klencke die Burg wieder aufbauen. Seither führt sie den Namen Hämelschenburg. 1544 brannte die gesamte Anlage vollständig nieder.

Ab 1588 wurde sie von Jürgen Klencke und seiner Frau Anna von Holle als Wasserschloss im Stil der italienischen Renaissance neu erbaut.

Im Dreißigjährigen Krieg gelang es Anna von Holle, Schloss Hämelschenburg nebst zugehöriger St. Marienkapelle durch Allianzen zu schützen. Die couragierte Schlossherrin fuhr den anrückenden Truppen unter Tilly entgegen und handelte mit dem General einen Schutzvertrag aus, der es seinen Soldaten unter Androhung der Todesstrafe verbot, Hämelschenburg zu betreten. Auf diese Weise schützte sie die gesamte Anlage vor Plünderung und Zerstörung.

Auch den Siebenjährigen Krieg überstand Hämelschenburg zwar besetzt, aber unversehrt.
Der Gesamtkomplex mit seinen vier aufwendig gestalteten Giebeln, 17 Zwerchhäusern, den beiden hohen, kupfergedeckten Treppentürmen, zwei ebenerdigen, doppelgeschossigen Erkern (so genannten Ausluchten), mehreren Portalen und einer prächtigen Zugangsbrücke über den mit Karpfen besetzten Schlossteich ist bis heute vollständig erhalten.“

Weiter schreibt Wikipedia:

Seit 1973 ist das Schloss Hämelschenburg im Besitz von Lippold von Klencke, der die Anlage seither als privates Museum teilweise zugänglich gemacht hat. Der Museumsbereich enthält eine vollständig erhaltene Ausstattung von Möbeln, Gemälden, Porzellan, Gläsern und Waffen aus der Renaissance-, Barock- sowie Gründerzeit. Etwa ein Drittel der Räume wird im Rahmen von Führungen gezeigt, die täglich im Sommerhalbjahr stattfinden. Die übrigen Räume sind vermietet und werden von Privatpersonen bewohnt.

In die Eingangshalle (ehemaliges Wohnzimmer) wurde die Front der „Pilgerhalle“ eingefügt. Dabei handelt es sich um zwei Säulen, die von in den Sandstein modellierten Jakobsmuscheln bekrönt werden. Sie umrahmen eine Durchreiche, die den Pilgern auf ihrem Weg von Norden nach Santiago de Compostela in Spanien Speisung und Unterkunft verhießen. Dieses Versprechen wird auch heute noch aufrechterhalten. So übernachtete eine dänische Pilgerin 2005 für zwei Tage kostenlos im Schloss.“

Unsere kompetente Gästeführerin Doris Müller führt uns selbst durch das Schloss mit wertvollen alten Möbeln, Gemälden, Kachelöfen, Porzellan, Glas- und Waffensammlung.

Durch den Garten erreichen wir wieder unseren Bus und fahren zur Mittagspause nach Bodenwerder, der „Münchhausenstadt“. Die Stadt wurde um 1200 auf einer Weserinsel angelegt.

Bekanntester Sohn der Stadt war der 1720 in Bodenwerder geborene und 1797 dort gestorbene Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Bekannt wurde er als "Lügenbaron".

Doch bevor wir mehr von ihm erfahren, stärken wir uns bei einer Mittagspause im Café, nahe des Münchhausen-Brunnens. Mittlerweile hat es auch angefangen zu regnen.

Eine Stunde später treffen wir wieder unsere Gästeführerin Doris Müller, die uns am Brunnen einige der sagenhaften Geschichten des Hieronymus von Münchhausen zu Gehör bringt. Der junge Mann nahm als Rittmeister an Feldzügen des Zarenreichs gegen die Türken teil und lernte dadurch einen Kulturkreis kennen, der in der „alten Welt“ exotisch und geheimnisvoll erschien. Er war ein begnadeter Geschichten-Erzähler, mit denen er seine Zuhörer fesseln konnte. Seine Geschichten wurden anonym gedruckt und erlangten so Bekanntheit. Münchhausen war darüber nicht erfreut, tat jedoch nichts, um die Verbreitung zu verhindern. Ein „Lügenbaron“ war er jedoch nicht, eher ein fantasievoller Erzähler.

Die wohl bekannte ist diese: „Münchhausen reitet auf einer Kanonenkugel über eine belagerte Stadt, inspiziert die feindlichen Stellungen und steigt kurzerhand auf eine in die Gegenrichtung fliegende Kugel um“ ….. oder auch: „Münchhausen bindet sein Pferd in einer Winternacht an einen – wie er glaubt – Pfahl an, der aber in Wirklichkeit die Spitze des Wetterhahns eines Kirchturms ist. Nach einer Schneeschmelze baumelt das Pferd am Kirchturm. Da schießt Münchhausen mit seiner Pistole den Halfterriemen durch, so dass das Pferd herunterfällt und er seine Reise fortsetzen kann.“
Mehr Geschichten kannst Du bei Wikipedia oder hier lesen.


Bodenwerder ist – vor allem bei Sonnenschein – eine hübsche kleine Stadt mit einer schönen Einkaufsstraße.

Sehenswert sind die schönen Fachwerkhäuser, die Kirche St. Nicolai, und das Geburts- und Sterbehaus des Barons Münchhausen, in dem heute das Rathaus und das Münchhausenmuseum untergebracht ist.

Hier entsteht auch das Gruppenfoto, das leider durch Regen, Schirme und Masken "getrübt" ist.

Über eine Anhöhe mit schönen Ausblicken ins Wesertal fahren wir vorbei an Burg Polle (Polle ist für das Märchen Aschenputtel bekannt) zu Schloss Corvey.

Corvey war ein bedeutendes karolingisches Kloster, das um 822 von Benediktinern gegründet wurde. Es verfügte über eine der wertvollsten Bibliotheken des Landes, und zahlreiche Bischöfe gingen aus der Abtei hervor.
Die Abtei entwickelte sich im 9. und 10. Jahrhundert zu einem kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Zentrum im Gebiet der Sachsen. Nach einer Phase der Krise wurde Corvey im 11. Jahrhundert zu einem Reformkloster. 1803 wurde es säkularisiert, die Abtei und das Bistum aufgelöst und dem Bistum Paderborn eingegliedert. Die Kirche bleibt weiterhin Pfarrkirche für die Kirchengemeinde Corvey. 2014 wird das karolingische Westwerk der Abteikirche und die Ruinen der 1265 zerstörten Civitas Corvey durch die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.
Die 844 geweihte karolingische Kirche wurde 1665 abgebrochen und durch ein barockes Langhaus ersetzt. Erhalten blieb lediglich das Westwerk mit Säulen und Kapitellen in der Vorhalle. Leider können wir von der Barockgotik nicht viel sehen; das Innere ist fast vollständig derzeit eine Baustelle, so dass wir uns nicht lange dort aufhalten und durch die kleine Kapelle zum Friedhof gehen. Er dient bis heute der kleinen Gemeinde als Begräbnisstätte.

Hier befindet sich das Grab des Dichters Heinrich Hoffmann von Fallersleben, dem Dichter des Deutschlandliedes und seiner Frau Ida Hoffmann. Hoffmann von Fallersleben war von 1860 bis zu seinem Tod Bibliothekar in Corvey.

Mehr zu Hoffmann von Fallersleben, seiner Frau Ida zum Berge und seinen Gedichten: klicke hier

Wir hören andächtig zu, als unsere Gästeführerin Doris Müller das Gedicht „Wie könnt’ ich dein vergessen“ rezitiert.

Wie könnt' ich dein vergessen!
Ich weiß, was du mir bist,
Wenn auch die Welt ihr Liebstes
Und Bestes bald vergißt.
Ich sing' es hell und ruf' es laut:
Mein Vaterland ist meine Braut!
Wie könnt' ich dein vergessen!
Ich weiß, was du mir bist.

Hier das ganze Gedicht

Über Höxter fahren wir zurück ins Hotel. Zum Abschied schenkt uns Frau Müller noch das Originalrezept vom Lippischen Pickert, das dem Lemgoer Nicolaikantor Jobst Hermann Koch zugeschrieben wird.

Mit einem Gedicht von Mascha Kaleko verabschiedet sich Doris Müller von uns. Aber wer weiß, vielleicht sehen wir sie wieder, denn wir konnten nur einen kleinen Teil dieser schönen Gegend kennenlernen.

Viel gäbe es noch zu entdecken: Den Teutoburger Wald mit dem Hermannsdenkmal und den Externsteinen, Schloss Brake bei Lemgo oder Schloss Neuhaus bei Paderborn, die Fachwerkstadt Schwalenberg, und - und - und. Ein Wiederkommen lohnt sich, dann aber im Sommer und in Nach-Corona-Zeiten.

Ein herzliches Dankeschön an Alberto für die gute Betreuung, an Heiko, unseren zuverlässigen Busfahrer, an Frau Müller für die kompetente Begleitung, an alle, die mitgefahren sind und an die Fotografen, ohne die mein Bericht nur halb so schön wäre!

Die Bilder von Alberto/alfredo6969 findest Du hier
die Bilder von Dieter/fidelis45 hier
die Bilder von Elke/Sunny322 hier
die Bilder von Margret/maggylie und Sonja/bettkasten hier

(eingestellt am 8.11.20)

Autor: Feierabend-Mitglied

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