Moderne Grabpflege mit wenig Aufwand: So bleibt ein Grab das ganze Jahr schön
In den Tagen vor Allerheiligen herrscht auf vielen Friedhöfen mehr Betrieb als sonst in einem ganzen Monat. An den Wasserstellen klappern die Gießkannen, an den Gräbern wird geharkt und neu gepflanzt, und wenige Wochen später, zum Totensonntag, wiederholt sich das Bild. Wer dagegen im Juli über einen Friedhof geht, sieht neben liebevoll gepflegten Gräbern auch vertrocknete Sommerblumen und Efeu, der längst über die Einfassung gewachsen ist. Ein gepflegtes Grab muss jedoch keine Arbeit für jedes Wochenende sein. Wer es von Anfang an durchdacht anlegt, kommt mit wenigen Besuchen im Jahr aus, und wer die Pflege nicht mehr selbst übernehmen kann, findet Hilfe, auch über große Entfernungen.
Pflegeleichtes Grab
Friedhofsgärtner teilen ein Grab meist in drei Bereiche: eine Rahmenbepflanzung aus kleinen Gehölzen oder Stauden, die dem Grab Struktur gibt, eine Fläche mit Bodendeckern und ein kleines Beet für wechselnde Blumen. Je größer der Anteil der dauerhaften Pflanzen ist, desto weniger Arbeit macht das Grab, und Fachleute empfehlen, mindestens 60 Prozent der Fläche dauerhaft zu bepflanzen. Bewährt hat sich außerdem, nur wenige Pflanzenarten zu verwenden, weil das Grab dann ruhiger wirkt und sich leichter pflegen lässt.
Die wichtigste Rolle spielen dabei die Bodendecker. Efeu und Immergrün galten lange als Standard, wachsen aber schnell über die Grabfläche hinaus, und Efeu kann mit seinen Haftwurzeln zudem den Grabstein angreifen. Friedhofsgärtner greifen deshalb zunehmend zu flachen, maßvoll wachsenden Polstern wie dem Fiederpolster, dessen fein gefiederte Blätter an kleine Farne erinnern, dem Stachelnüsschen mit seinem bronzefarbenen Laub oder dem Sternmoos, das an halbschattigen Stellen einen dichten, weichen Teppich bildet.
Seit die Sommer heißer und trockener werden, sind außerdem Pflanzen gefragt, die mit wenig Wasser auskommen, etwa Sand-Thymian oder niedrige Fetthennen, was vor allem jenen entgegenkommt, die nicht jede Woche zum Gießen kommen können. Auch für den Buchsbaum, der viele Gräber jahrzehntelang eingefasst hat und heute häufig vom Buchsbaumzünsler oder von Pilzkrankheiten befallen ist, gibt es robustere Alternativen wie die Japanische Stechpalme, die ihm zum Verwechseln ähnlich sieht.
Von links nach rechts: Sternmoos, Fiederpolster, Stachelnüsschen
Moderne Gestaltung mit Pflanzen
In den vergangenen Jahren sind auch auf Friedhöfen Kies und große Steinplatten in Mode gekommen, weil sie pflegeleicht erscheinen. Ein vollständig mit Stein bedecktes Grab wirkt allerdings schnell kalt, heizt sich im Sommer stark auf und trocknet den Boden darunter aus, und zwischen den Steinen wächst mit der Zeit trotzdem Unkraut. Viele Friedhofssatzungen schreiben deshalb vor, dass ein Teil der Grabfläche bepflanzt sein muss.
Ein zeitgemäßes Grab verbindet beides: Eine kleine Kiesfläche oder ein Findling setzt einen ruhigen Akzent, umgeben von flachen Polstern und einigen Ziergräsern wie der wintergrünen Japan-Segge oder dem Blauschwingel, die das ganze Jahr Struktur geben und kaum Pflege brauchen.
Viele Gärtner ordnen die Pflanzen heute eher locker und asymmetrisch an als in streng geometrischen Beeten, was dem Grab die Anmutung eines kleinen Gartens gibt. Thymian, Fetthenne oder Lavendel locken im Sommer Bienen und Schmetterlinge an. Für Farbe zu besonderen Anlässen genügt eine einzelne Pflanzschale, die zum Geburtstag oder zum Gedenktag neu bestückt wird, ohne dass dafür das ganze Grab umgegraben werden muss. Und Blumenzwiebeln wie Krokusse oder Traubenhyazinthen, die im Herbst zwischen die Bodendecker gesetzt werden, kommen jedes Frühjahr von selbst wieder.
Das Grab winterfest machen
Vor dem ersten Frost haben Begonien, Fleißige Lieschen und andere Sommerblumen ausgedient und werden am besten entfernt, ebenso wie Unkraut und das Laub der umstehenden Bäume, unter dem sich sonst Nässe und Fäulnis halten. An ihre Stelle tritt traditionell die Besenheide, die in Weiß, Rosa und Violett erhältlich ist und ihre Farbe auch bei Kälte behält. Dazu passen das Silberblatt mit seinen filzigen, hellgrauen Blättern, Purpurglöckchen und Hornveilchen, die in milden Phasen sogar im Winter blühen, sowie die Christrose, die ihre Blüten ausgerechnet dann öffnet, wenn sonst kaum etwas blüht.
Immergrüne Pflanzen brauchen auch im Winter Wasser, weil sie an sonnigen Frosttagen über ihre Blätter Feuchtigkeit verlieren, die sie aus dem gefrorenen Boden nicht nachziehen können; ein gründliches Gießen vor dem ersten Frost beugt dem vor. Nach dem Totensonntag wird das Grab vielerorts mit Tannen- oder Fichtenzweigen abgedeckt, die den Boden vor Kahlfrost schützen.
Hilfe vom Friedhofsgärtner
Wenn der Rücken nicht mehr mitspielt oder das Grab weit entfernt liegt, sind die Friedhofsgärtnereien vor Ort die richtige Anlaufstelle; welche Betriebe zugelassen sind, weiß die Friedhofsverwaltung. Sie übernehmen Einzelaufträge wie die Herbstbepflanzung oder ein Gesteck zu Allerheiligen ebenso wie eine Jahrespflege, die je nach Grabgröße und Leistung häufig zwischen 100 und 350 Euro kostet, und viele schicken nach getaner Arbeit ein Foto per E-Mail.
Wer die Pflege für die gesamte Ruhezeit regeln möchte, kann einen Dauergrabpflegevertrag abschließen, auch schon zu Lebzeiten für das eigene Grab. Das Geld wird dabei bei einer Treuhandstelle hinterlegt, die die Gärtnerei Jahr für Jahr bezahlt und die Arbeit kontrolliert.
Wer vorausplant, kann sich auch für eine pflegefreie Grabart entscheiden, etwa ein Rasengrab, eine Urnengemeinschaftsanlage oder ein gärtnergepflegtes Grabfeld, bei dem die Pflege für die gesamte Ruhezeit bereits im Preis enthalten ist.
Fazit
Ein schönes Grab hängt weniger von der Zahl der Besuche ab als von der Planung. Wer auf flache, maßvoll wachsende Bodendecker, robuste Dauerpflanzen und nur eine kleine Fläche für wechselnde Blumen setzt, hat das ganze Jahr über ein gepflegtes, zeitgemäßes Grab, das auch ohne Stein und Kies auskommt. Und wenn die eigenen Kräfte oder die Entfernung nicht mehr mitspielen, übernehmen Friedhofsgärtner von der einzelnen Herbstbepflanzung bis zur Pflege über Jahrzehnte, was für einen würdigen Ort der Erinnerung nötig ist.
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