Wohnen im Alter: Wie die Wohnung sicherer wird, ohne dass man es ihr ansieht
Drei Uhr nachts, der Weg ins Bad. Die Hand tastet nach dem Lichtschalter, der Fuß findet die Teppichkante früher als gedacht, ein kurzes Straucheln. Meistens geht so etwas gut aus. Ein großer Teil der Stürze im Alter passiert trotzdem genau hier, in den eigenen vier Wänden und an Stellen, die man seit Jahrzehnten kennt. Zeit, die Wohnung umzugestalten?
Das Wort „altersgerecht“ weckt selten schöne Bilder. Man sieht weiße Kunststoffgriffe neben der Toilette vor sich oder ein Pflegebett dort, wo früher das Ehebett stand, und dazu eine Rechnung, die kaum jemand bezahlen kann oder will. Zwischen „alles bleibt, wie es ist“ und „alles neu“ liegt zum Glück ein weites Feld. Wir haben uns angesehen, wie die eigene Wohnung mit kleinem Budget sicherer wird, und zwar mit den Möbeln, die schon da sind.
Ein zweiter Blick
Über die Jahre wächst eine Wohnung mit ihren Bewohnern. Hier kam ein Beistelltisch dazu, dort ein Blumenständer, und irgendwann steht im Flur ein Schuhregal, um das man jeden Morgen einen kleinen Bogen macht. Mit einem unsicheren Knie wird aus dem Bogen ein Risiko. Ergotherapeuten raten deshalb, die täglichen Wege einmal bewusst abzugehen. Oft genügt es dann, ein einzelnes Möbelstück zu versetzen. Bei der Gelegenheit lohnt auch ein Blick in die Küchenschränke. Was jeden Tag gebraucht wird, gehört zwischen Hüft- und Schulterhöhe.
Mehr Licht in den Ecken
Wer den Rundgang abends macht, merkt schnell, wie dunkel manche Ecke ist. Ein sechzigjähriges Auge braucht deutlich mehr Licht als ein zwanzigjähriges, um gleich scharf zu sehen. Hellere LED-Leuchtmittel passen in die vorhandenen Lampen und verändern einen Raum mehr, als man erwarten würde. Für die Nacht gibt es kleine Leuchten mit Bewegungsmelder, die an die Fußleiste geklebt oder in die Steckdose gesteckt werden. Sie gehen beim Aufstehen von allein an und zeigen genau das, was eingangs zum Straucheln geführt hat, nämlich die Kante des Teppichs.
Fliegender Teppich?
Der Perser aus dem Türkeiurlaub liegt seit 1987 im Wohnzimmer, und dort wird er auch bleiben. Zur Stolperfalle wird er erst, wenn sich eine Ecke aufbiegt oder er auf dem Parkett zu wandern beginnt. Abhilfe kostet nur ein paar Euro. Eine zugeschnittene Antirutschunterlage hält ihn an Ort und Stelle, und doppelseitiges Teppichklebeband an den Rändern sorgt dafür, dass keine Ecke mehr hochsteht. Von den kleinen Vorlegern vor der Spüle oder der Terrassentür trennt man sich ohnehin meist leichter als gedacht. Wenn schon am Boden aufgeräumt wird, können die Kabel gleich mit. Sie verschwinden in schmalen Kanälen entlang der Fußleiste.
Helfer im Verborgenen
Das Sofa ist über die Jahre nicht tiefer geworden, es fühlt sich nur so an. Möbelerhöher, kleine Klötze unter den Füßen, heben es um einige Zentimeter an, und das Aufstehen gelingt wieder ohne Schwung. In passender Farbe fallen sie kaum auf, beim Bett funktioniert das genauso. Auch Haltegriffe haben ihr Krankenhausimage abgelegt. Es gibt sie aus Holz oder Messing, manche dienen zugleich als Handtuchhalter. Neben der Wohnungstür hilft so ein Griff beim Schuheanziehen, am meisten bringt er aber im Bad.
Sicherheit im Bad ohne Fliesenleger
Dort ist die Rutschgefahr am größten, und ausgerechnet dort ist ein Umbau teuer. Ein guter Teil der Sicherheit lässt sich trotzdem nachrüsten. Rutschhemmende Sticker gibt es in transparenter Ausführung und eine Badematte mit gummierter Unterseite ersetzt das Handtuch auf den nassen Fliesen. Auch für die Dusche gibt es ein Lösung: Ein Duschhocker aus Bambus oder Teak erinnert eher an ein Spa als an die Reha.
Wenn es doch etwas größer werden soll
Irgendwann reichen Klebeband und Möbelerhöher nicht mehr, etwa wenn die Badewanne zum Hindernis wird. Dann hilft zunächst ein fremder Blick. In vielen Städten gibt es Wohnberatungsstellen, die kostenlos ins Haus kommen, Auskunft geben die Stadtverwaltung oder der Pflegestützpunkt.
Für die Finanzierung ist die Pflegekasse die wichtigste Adresse. Wer einen Pflegegrad hat, und sei es nur Pflegegrad 1, kann dort bis zu 4.180 Euro für den Umbau der Wohnung beantragen, etwa für eine bodengleiche Dusche oder einen Treppenlift. Der Antrag muss gestellt sein, bevor der Handwerker anrückt. Ändert sich die Lage später, zum Beispiel nach einem Sturz, ist unter Umständen ein weiterer Zuschuss möglich. Einen Duschhocker oder Badewannenlifter übernimmt häufig die Krankenkasse, wenn die Hausärztin ihn verordnet.
Ohne Pflegegrad wird es schwieriger. Den Zuschuss der KfW für den barrierearmen Umbau gibt es 2026 nicht mehr, geblieben ist ein zinsgünstiger Kredit über die eigene Bank. Mieter sprechen größere Umbauten am besten vorher schriftlich mit dem Vermieter ab. Mehr zum Thema steht in unserem Beitrag über den Umbau der eigenen Wohnung.
Der Perser im Wohnzimmer bleibt übrigens liegen. Er hat jetzt nur eine Unterlage und ein paar Streifen Klebeband.
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